Als sie erfährt, dass sie schwanger ist, gerät Gründerin Meike Haagmans in eine Art Schockstarre. Doch dann erkennt sie: die neue Doppelaufgabe birgt Chancen für ihr Start-up. 

Mittwoch ist Kolumnentag bei WiWo Gründer: In ihrer Kolumne berichtet Meike Haagmans von dem alltäglichen Wahnsinn im Leben einer Gründerin. Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, reist sie als Flugbegleiterin um die Welt, bloggt über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventour und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

Das hatte ich so nicht geplant.

Und ich plane ansonsten alles: die monatlichen Soll – Ist Zahlen, die Dienstpläne, unsere Verkaufspreise, die Messen, unsere Produktauswahl. Und  auch das Geschäftsmodell meines Unternehmens ist… Können Sie es erraten? Exakt: Reisen zu planen. Kein Wunder, dass meine Planungsleidenschaft ab und an in einen Wahn abgleitet.

Und dann das: Meine Mitarbeiterin aus der Buchhaltung sitzt mir gegenüber, schaut mich an und sagt: „Ich gehe noch einmal runter zu Rossmann und kaufe den Teuersten“. Keine 15 Minuten später zeigt auch dieser zweite Test ein eindeutiges Ergebnis: Ich bin schwanger!

„Da schlägt schon das Herz. Herzlichen Glückwunsch”.

Alle mögliche Gedanken schiessen mir durch den Kopf und Tränen in meine Augen. Die Welt scheint still zu stehen, ich bin komplett durcheinander. Ich versuche mich etwas zu fassen und schicke meine Kollegin nach Hause. Ich möchte allein sein, wenn mein Freund mich wie verabredet eine Stunde später für ein Abendessen beim Italiener im Büro abholen wird. Es wird ein anderes Abendessen als gedacht. Ohne Wein.

In den kommenden Tagen versuche ich dem ganz normalen Arbeitsalltag nachzugehen und mir vor dem Termin bei meiner Gynäkologin keine großen Gedanken zu machen. Aber meine Ärztin und das Teststäbchen, scheinen sich auch einige Tage später noch einig zu sein: „Da schlägt schon das Herz. Herzlichen Glückwunsch”.

Ich versuche mich zu bedanken, aber in diesem Moment bekomme ich keinen Ton raus. „Soll ich Sie erstmal krankschreiben?“, die Gynäkologin schaut kurz vom Schreibtisch hoch, wo sie schon angefangen hat mir erste Nahrungsergänzungsmittel zu verordnen.

Wie wird sich mein Leben verändern?

„Nein!“ Meine Stimme hat deutlich den Weg zurückgefunden, „ich bin doch selbstständig und wir haben Hochsaison“. Eine Krankmeldung hätte mir noch gefehlt. „Verstehe. Kenne ich. Aber denken Sie an den Mutterschutz, auch wenn Sie selbstständig sind“. Die Ärztin drückt mir das inzwischen ausgedruckte Rezept in die Hand und ich verlasse die Praxis, überwältigt von etwas Nicht-Greifbarem.

Erst in den kommenden Tagen beginne ich die Neuigkeit zu verarbeiten. Während schwangere Freunde und Bekannte häufig oft Ultraschallbilder posten, empfinde ich kein Bedürfnis die „freudige Nachricht“ zu verbreiten. Denn ich fühle mich nicht erfreut. Ich bin verunsichert und kann absolut nicht abschätzen, wie die neue Situation mein Leben verändern wird.