Doch statt der Bildung eines autarken Teams begann die Performance zu sinken. Der Umsatz unseres – in der der Regel – stärksten Monats brach ein und die Buchungsabschlüsse waren alles andere als im Soll. Schlussendlich erreichten wir noch nicht einmal den Deckungsbeitrag für den ersten Monat.

Ich beobachtete die Situation noch zwei weitere Wochen bevor ich mich entschloss, wieder einzusteigen – und mir schlussendlich einzugestehen, dass meine Firma Joventour anscheinend stärker inhabergeführt ist als ich mir erhofft hatte. Im ersten Moment war ich enttäuscht, es nicht geschafft zu haben, mein Team zu befähigen, autark zu arbeiten.

Inzwischen frage ich mich allerdings: Müssen überhaupt alle Mitglieder eines Teams willig sein, „ermächtigt“ zu werden? Oder gibt es durchaus auch Arbeitnehmer, die eine ausgeprägte Hierarchie bevorzugen und keine Verantwortung und „Macht“ übernehmen möchten? Und sind diese Mitarbeiter dadurch schlechtere?

Eine Frage der Ersetzbarkeit

Auch interessiert es mich, ob es wirklich schlimm ist, sich einzugestehen, als Unternehmer oder Unternehmerin nicht ersetzbar zu sein. Die oftmals fokussierte Skalierung in der Start-up-Branche suggeriert doch immer, dass sich Gründer zu einem gewissen Zeitpunkt aus der Firma herauszuziehen haben. Paradoxerweise, da gerade zu Beginn eine starke Konzentration auf die Gründerpersonen gelegt wird.

Es gibt in Deutschland einige Beispiele von Firmen, bei denen Skalierung und Personalisierung auch nach Jahren nicht zu trennen sind. Ich denke dabei an Wolfgang Grupp von Trigema oder auch an die Müslifirma Seitenbacher, deren Gründer Willi Pfannenschwarz uns mit seiner Stimme unvergesslich in den Ohren liegt.

Vermutlich ist also Empowerment eine Strategie, die funktionieren kann, aber nicht muss. Wie jede Strategie kostet auch diese Geld und vor allem Zeit. Oftmals zwei Faktoren, die gerade im Start-up knapp sind. Ein Allheilmittel ist Empowerment als Managementkonzept also definitiv nicht. Aber es ist ein schönes Wort. Und man kann es auch gut auf T-Shirts, Stoffbeutel und Laptopsticker drucken lassen.