Während ihres Mutterschutzes zog sich Gründerin Meike Haagmans zurück – um ihr Team zu stärken. Doch die Auswirkungen auf ihr Start-up standen so nicht im Lehrbuch.

Montag ist Kolumnentag bei WiWo Gründer: In ihrer Kolumne berichtet Meike Haagmans von dem alltäglichen Wahnsinn im Leben einer Gründerin. Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, reist sie als Flugbegleiterin um die Welt, bloggt über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventour und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

Oft werde ich nach meiner größten Herausforderung als Unternehmerin gefragt – so gut wie nie aber nach meinem größten Fehler. Vermutlich hätte ich die Frage auch lange Zeit nicht beantworten können.

Seit Beginn dieses Jahres ist es anders. Während ich in meiner Kolumne vor einigen Wochen noch geschrieben habe, dass ich meine Abwesenheit während des Mutterschutzes als Chance sehen müsse und so das Team richtiges Empowerment (er)leben könne, muss ich mir sechs Wochen später eingestehen: Das war er, der größte Fehler bisher.

Empowerment als Risiko

Schon lange vor meiner Gründung, genauer gesagt in einer meiner ersten Vorlesungen des MBA-Studiums, lernte ich ein Führungsinstrument kennen, das effektiver einsetzbar schien als jeder Unternehmensberater: Empowerment. Die vermeintliche Wunderwaffe des Unternehmertums begleitete mich nicht nur durch das gesamte Studium, sondern bis heute.

In zahlreichen Gründungsratgebern und Unternehmerhandbüchern werde ich immer wieder mit dem Managementkonzept konfrontiert. Ein kooperativer Führungsstil sowie eine schlanke und flache Hierarchie gelten anscheinend als Zauberformel, um die Mitarbeiter zu ermächtigen, autonom und selbstbestimmt zum Unternehmenserfolg beizutragen.

So weit so gut. Zumindest in der Theorie. In der Praxis machte ich allerdings eine ganz andere Erfahrung. Je öfter ich im vergangenen Jahr über meine Abwesenheit in der Firma nachdachte, um so besser gefiel mir die Idee, auch mein Team zu befähigen, eigenverantwortlich die Firma mitzuführen. Mein Mutterschutz sollte eine Möglichkeit sein, mich aus dem operativen Teil herausnehmen zu können und die Mitarbeiter eigenständig handeln zu lassen. Ich wollte es genau so machen, wie es in den Lehrbüchern stand.

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