Venturate brüstet sich mit dem Curated Crowdfunding. Eine Weiterentwicklung der Schwarmfinanzierung, die aber nicht zum Standard wird.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute ist wieder Julian Heck dran. Er ist Journalist und auf medienjournalistische und digitale Themen spezialisiert und beleuchtet die boomende Fintech-Branche.

Von Julian Heck

Wenn ein Start-up frisches Kapital braucht, dann ist es längst kein ungewöhnlicher Weg mehr, die Finanzierungsrunde für alle – also auch für Kleinanleger – zu öffnen. Mit Seedmatch und Companisto haben sich hierzulande zwei große Plattformen etabliert, die immer mehr Start-ups für ihre Kapital-Suche nutzen.

Das Prinzip ist einfach: Wer gerade ein paar Euro übrig hat und das Start-up als attraktiv und vielversprechend genug betrachtet, der kann ab fünf Euro (Companisto) oder 250 Euro (Seedmatch) total unkompliziert in das Start-up investieren.

Dass die Investitionsmöglichkeit so einfach ist, kann aber auch nach hinten losgehen, wie zahlreiche Beispiele gezeigt haben. Denn die Liste der per Crowdinvesting erfolgreich finanzierten Start-ups, die wenig später den Bach hinunter gingen, ist nicht gerade kurz. Als Negativbeispiel sticht vor allem das Start-up Vibewrite mit seinem lernenden Stift hervor, das bei Seedmatch mehr als eine halbe Million Euro sammelte, sehr intransparent war und die Investoren später kaum auf dem Laufenden hielt. Wenig später ging es in die Insolvenz. Crowdinvesting-Pleiten gab es neben Vibewrite schon zu Genüge.

Warum das so ist? Darüber lässt sich im Nachhinein natürlich viel spekulieren und kein pauschales Urteil bilden. Generell ist es aber doch so, dass die vielen Kleinanleger oftmals nicht auf Basis bestimmter Kriterien investieren, wie professionelle Investoren es tun. Für sie spielen andere Faktoren eine Rolle.

Die Münchner Plattform Venturate hat diese Schwierigkeit erkannt und verfolgt deshalb jetzt den Ansatz von Curated Crowdfunding. Venturate „kuratiert“ also Finanzierungsprojekte und holt nur solche auf die Plattform, „die Investoren zuvor auf Herz und Nieren geprüft haben“. Jene Investoren beteiligen sich zudem selbst an den Projekten – „zu gleichen Konditionen“.

Die Crowdinvesting-Plattform will einer Pleiten-Serie also durch so etwas wie einen TÜV entgehen, also einer Qualitäts- und Tauglichkeitsprüfung im Vorfeld der Finanzierungsrunde. Das ist prinzipiell keine schlechte Idee, weil auch Kleinanleger somit in Projekte investieren können, die von Profis als erfolgversprechend geadelt wurden.

Das mag für einige interessant und verlockend sein.Vermutlich ist das große Geschäft, wie es für professionelle Investoren im Vordergrund steht, aber in erster Linie gar nicht relevant. Für Kleinanleger, die einen zweistelligen oder niedrigen dreistelligen Betrag in den Topf werfen, spielen die Erfolgsaussichten sicherlich in vielen Fällen keine allzu große Rolle – wie gesagt: nicht immer, aber oft. Stattdessen zählen für sie viel mehr die Sympathie für das Start-up und die Begeisterung für das Produkt.

Kleinanleger beteiligen sich an Crowdinvesting-Runden schließlich häufig eher aus Gründen, wie es im Crowdfunding zum Beispiel bei Startnext üblich ist. Dort ist die Investition nämlich keine Investition im klassischen Sinne, sondern eher ein Schenken, oft auch ein Vorschuss für ein Produkt, dass der Unterstützer später erhalten soll.

Venturate bietet mit dem Curated Crowdfunding sicherlich eine spannende Alternative. Es wird auf Sicherheit bedachte Investoren anlocken, die auf das Vertrauen der vorab prüfenden Investoren setzen – auch, wenn das natürlich ebenfalls keinen garantierten Erfolg verspricht.

Es gibt aber durchaus eine Daseinsberechtigung für die anderen Plattformen, die nicht auf einen solchen Prozess setzen – trotz aller Pleiten. Dort bekommen nämlich auch Start-ups eine Chance, denen bei Venturate vielleicht zunächst keine Chance gegeben werden würde, die aber Menschen für ihre Sache begeistern können und letztendlich trotzdem Erfolg haben. Manchmal braucht es nun mal ein großes Risiko, um einen Volltreffer landen zu können.