Während FinTech-Start-ups wie Pilze aus dem Boden sprießen, schauen Banken dem Boom nur geschockt zu. Die Commerzbank weiß aber, wie der Hase läuft.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer:  Heute ist wieder Julian Heck dran. Er ist Journalist und auf medienjournalistische und digitale Themen spezialisiert und wird künftig die boomende Fintech-Branche beleuchten.

Von Julian Heck

Die Digitalisierung hat das Finanzwesen heftig erwischt – und die Branche guckt fast untätig zu. Deshalb sind jetzt Start-ups am Zug und versuchen dem traditionellen Bankgeschäft die Luft zum Atmen zu nehmen. Angefangen von PayPal über Apple Pay bis hin zu Number26 – es trifft quasi alle Bereiche. Auch die Banklizenz ist kein Alleinstellungsmerkmal mehr für die Großen, wie das aktuelle Beispiele Payone – eine Sparkassen-Tochter – eindrucksvoll zeigt.

Welche Big Player des alten Filialgeschäfts es jetzt noch nicht verstanden haben, werden den abfahrenden Zug nur noch von hinten sehen. Die Commerzbank gehört zu jenen, die gerade noch auf den Zug aufspringen. Mit den 100-prozentigen Töchtern CommerzVentures – gegründet im Oktober 2014 – und main incubator – gegründet ein halbes Jahr zuvor – hat sich die Commerzbank in Sachen FinTech breit aufgestellt.

Der main incubator soll als Anschub für FinTech-Gründungen dienen – und zwar von Anfang an. Der Prozess bis zur Marktreife wird also schon durch die Commerzbank-Tochter begleitet und unterstützt. Eine clevere Strategie, um potentiell erfolgreiche FinTechs erst gar nicht dem Markt zu überlassen, sondern selbst in Besitz zu nehmen. Mit Traxpay, die einen „sekundenschnellen, globalen B2B-Handel verwirklichen“ wollen, und Gini Pay, einer Smartphone-App für das papierlose Büro, hat der Inkubator im September in die ersten Startups investiert.

Anders als der main incubator, der in der Anschubphase fördert, investiert CommerzVentures in schon etwas reifere FinTech-Unternehmen. Das erste Investment ist noch ganz frisch: Erst in diesem Monat hat die Venture-Tochter der Commerzbank Geld in die eToro Group mit ihrer Social-Trading-Plattform „Open Book“ gesteckt.

Mit den beiden Investment-Töchtern schafft es die Commerzbank, die Digitalisierung nicht als Belastung oder Bedrohung, sondern als Chance zu begreifen. Sie dienen quasi als Aussichtsturm auf der Suche nach innovativen Lösungen, die natürlich nicht aus Spaß an der Freude, sondern für die eigene Weiterentwicklung gebraucht werden. Das Firmenkundengeschäft etwa hat die Commerzbank erst kürzlich in Angriff genommen und eine Digitalisierungsstrategie vorgestellt mit einer modernen Internetplattform und neuen mobilen Anwendungen.

Die Entwicklung bei der Commerzbank zeigt auch, dass es nicht auf den Zweikampf „traditionelle Banken gegen junge FinTech-Startups“ hinauslaufen muss. Stattdessen setzen immer mehr beider Parteien auf eine Kooperation. Oftmals sind die Lösungen von FinTechs nämlich nicht eigenständig und schon gar nicht ohne Banklizenz nutzbar, sondern sie brauchen eine Andockstelle: jene Banken nämlich. Die Commerzbank ist nicht die einzige Bank, die sich als Partner für die jungen Wilden anbietet. Die DKB beispielsweise kooperiert mit dem P2P-Zahlungsdienst Cringle, die Wirecard Bank mit dem Girokonto-Startup Number26 oder die Fidor Bank mit dem Kreditmarktplatt Finmar. Kooperation statt Konkurrenz – wenn so der Weg in eine digitalisierte Bankenzukunft ausschaut, dann haben doch alle etwas davon.