Gründerinnen und Gründer engagieren sich im Kampf gegen den Klimawandel. Meike Haagmans hofft, dass sie dabei einen langen Atem beweisen.

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: In ihrer Kolumne berichtet Meike Haagmans von dem alltäglichen Wahnsinn im Leben einer Gründerin. Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, reist sie als Flugbegleiterin um die Welt, bloggt über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventour und gibt auf ihrer Webseite Tipps für Nebenbei-Gründer.

Ich habe die kollektiven Profiländerungen in den Sozialen Medien immer belächelt. Ob es #prayfor dies oder #prayfor das war, einen wirklichen Sinn habe ich darin nie gesehen und mich selbst oft gefragt, ob die Generation Internet ernsthaft denkt, dass Protest aus dem Ändern eines Profilbildes besteht.

Seit einigen Wochen rollt wieder eine Änderungswelle durch Facebook & Co. Aber dieses Mal ist es anders. Der grüne Kreis mit weisser Schrift umrandet nicht nur die Bilder meiner Freunde und Bekannten, sondern auch die Logos der Unternehmen, denen ich in den Sozialen Medien folge. Und dieses Mal ist es auch kein Aufruf um zu beten, sondern um wirklich auf die Strasse zu gehen. Diesen Freitag findet der zweite und wohl auch bisher größte globale Klimastreik statt und neben den Fridays-For-Future-Aktivisten, gibt es eine neue Gruppe, die sich aktiv gegen den Klimawandel einsetzen will: Unternehmer*innen.

Wie Start-ups ihren Forderungen Nachdruck verleihen

Und um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, schließen vor allem Start-ups ihre Büros, schalten ganze Onlineshops ab und geben Mitarbeitern frei, um an den Demonstrationen teilnehmen zu können. Veganz, Vaude und Idealo sind die großen, prominenten Beispiele. Im Rheinland bietet eine Bäckerei-Kette Fridays-for-Future Brot an und spendet die Erlöse der jungen Bewegung. Der Einhörn-Gründer Waldemar Zeiler und die Original-Unverpackt Gründerin Milena Glimbovski engagieren sich aktiv bei den Entrepreneurs-for-Future und bundesweit treffen sich Gründer*innen und Firmeninhaber*innen um bei Netzwerktreffen die Aktionen abzustimmen.

Es liegt Aktionismus in der Luft. Jeder will seinen Teil dazu beitragen, dass der Klimawandel endlich die Aufmerksamkeit bekommt, die er haben muss. Der Grundgedanke, dass gerade junge Unternehmer*innen die Bundesregierung zum Einhalten ihrer Pflichten mahnt, sehe ich als absolut richtig an, denn diese Gruppe erfährt oftmals null Toleranz vom Gesetzgeber. Ich frage mich allerdings, was nach dem 20.9. passiert. Ist der Atem der Entrepreneurs For Future genauso lang, wie der, der jungen Aktivisten*innen von Fridays For Future? 

Kommt eine wirkliche Verhaltensänderung?

Und inwieweit ist die Gründergeneration wirklich bereit ihr Verhalten zu ändern? Wer wechselt innerdeutsch tatsächlich auf die Bahn, statt ins Flugzeug zu steigen und wer überdenkt sein Online-Kaufverhalten? Wer reduziert seinen Fleischkonsum ernsthaft und wer ist bereit sein Geschäftsmodell konsequent kritisch zu hinterfragen?

Ich sehe eine langfristige Veränderung als schwierig an, denn das Statusdenken und der damit verbundene Konsum ist in der Gründer-Szene stark ausgeprägt. Der kontinuierliche finanzielle Engpass in den meisten Start-ups erlaubt wenig Spielraum beim nachhaltigen Einkauf oder teuren CO2 Kompensationen. Der ständige Druck immer schneller und besser sein zu müssen ist im Prinzip absolut konträr zum Umweltgedanken. 

Und doch bin ich der Meinung, dass es machbar ist, Nachhaltigkeit mit Gewinnorientierung in der Kultur zu vereinbaren. Aber es braucht Zeit und sicherlich nicht nur einen globalen Klimastreik. Gründer*innen müssen lernen den Umweltschutz als unternehmerische Verpflichtung zu sehen, genau so wie Steuerzahlungen.