Mit Software zu mehr Klimadaten: Die Berliner automatisieren das mühsame Zusammentragen von Informationen. Die werden immer häufiger von Markt oder Behörden eingefordert. Auch andere Start-ups wollen helfen.

Die Ziele sind ehrgeizig: Zahlreiche Unternehmen haben sich dazu verpflichtet, in den kommenden Jahren klimaneutral zu werden. Die erste Herausforderung auf diesem Weg: Eine Übersicht über die selbst verursachten Emmissionen zu gewinnen. Liefer- und Produktionsketten sind komplex, viele Daten sind nicht auf den ersten Blick oder Klick sichtbar. Das macht es für Unternehmen aufwendig, eine Transparenz über ihren heutigen CO2-Fußabdruck zu gewinnen.

Start-ups wollen mit Software dabei helfen. Das Berliner Start-up Klima Metrix etwa entwickelt Software, mit „der Unternehmen selbst automatisiert ihre CO2-Bilanz ermitteln“, sagt Mitgründer Maximilian Winkler. Dafür trägt das Programm die relevanten Klimadaten zusammen und setzt dabei auf Nachhaltigkeits-Standards, wie das Greenhouse Gas Protokoll oder relevante ISO-Normen.

Investoren und Behörden fordern mehr Transparenz ein

Die Nachfrage nach solchen CO2-Bilanzen ist da – drei Treiber macht Winkler aus: „Zum einen erwarten Banken und Investoren dies zunehmend für ihre Risikobewertungen“, so der Gründer. „Außerdem erhöht sich auf vielen Märkten der Druck, was dann gleich komplette Lieferketten einbezieht und Unternehmen ohne CO2-Fußabdruck benachteiligt.“ Daneben sorgten auch immer wieder gesetzliche Verpflichtungen dafür, dass die Reporting-Standards strenger werden.

Investoren glauben ebenfalls an diese Entwicklung. Klima Metrix hat jetzt eine mittlere sechsstellige Summe eingesammelt, um mit der Software stärker in den Vertrieb gehen zu können. Das Geld stammt von dem Kölner Frühphaseninvestor STS Ventures sowie von dem Hamburger Reeder Christian Oldendorff – der aus einer Branche kommt, in der der regulatorische Druck steigt. Man habe sich die Investoren bewusst ausgesucht, so Winkler, der gemeinsam mit Nadine Michalske das Start-up gegründet hat: „Klima Metrix profitiert von ihren Kontakten und Branchenkenntnissen.“ Zusätzliche Unterstützung kommt von Seriengründer Burckhardt Bonello.

Konkurrenz bei der Klimagas-Kalkulation

Alleine ist das Start-up mit seinem Angebot nicht. Auch der Kompensations-Kalkulator Atmosfair bietet Unternehmen an, ein CO2-Reporting zu erstellen, genauso wie Beratungsunternehmen wie First Climate. Zudem hat die Outfittery-Gründerin Anna Alex angekündigt, mit ihrem neuen Start-up Planetly mehr Transparenz bei den Emmissionen von Unternehmen herzustellen. Die Versprechen auf der Homepage klingen ähnlich wie bei Klima Metrix – aktuell können sich Firmen jedoch nur auf einer Warteliste eintragen.

Klima-Metrix-Gründer Winkler ist trotz der Konkurrenz optimistisch, dass sich die Software des jungen Unternehmens durchsetzen kann: „Im Gegensatz zu den bisher üblichen Klima-Beratern, die ins Haus kommen oder denen man viele Tabellen muss, geht das deutlich schneller, ist weniger aufwendig und spart Kosten.“