Mit ihrer Plattform wollen die Gründer die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten verbessern – aktuell ausschließlich in den USA. 

Dass Deutschland in Sachen Digitalisierung des Gesundheitswesens hinterherhinkt, ist kein Geheimnis. Bereits seit Jahren bemängeln Experten auf allen Kanälen das langsame Voranschreiten der Entwicklung – man sei nach wie vor „auf Fax-Standard“ und verschenke dadurch viel Potential, sagte beispielsweise der Vorsitzende des Sachverständigenrats im Gesundheitswesen, Ferdinand Gerlach, vor wenigen Monaten in einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk.

Andere Länder wie die USA sind diesbezüglich schon um einiges weiter. Allein während Barack Obamas Regierungszeit von 2009 bis 2017 wurde eine zweistellige Milliardensumme in die Digitalisierung des Sektors investiert – Nachfrage und Akzeptanz für technologische Lösungen sind sowohl bei Ärzten als auch bei Patienten hoch.

„WhatsApp der Gesundheitsbranche“

Simon Lorenz und Simon Bolz haben sich deswegen dafür entschieden, ihr Start-up nahezu von Anfang an vor allem auf den amerikanischen Markt auszurichten. 2013 gründeten die beiden Berliner Klara – damals noch unter dem Namen Goderma. Ihre Mission: als „WhatsApp der Gesundheitsbranche“ die Kommunikation zwischen Arzt und Patient einfacher und effizienter zu machen. „Wir sind der Überzeugung, dass die Leistung der Mediziner nicht nur aus der Behandlung selbst besteht, sondern dass die Zufriedenheit seitens der Patienten auch von der Qualität der Kommunikation abhängt“, sagte Bolz im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. 

Studien zufolge bezögen sich 96 Prozent der Beschwerden von Patienten auf eine mangelnde oder schlechte Kommunikation und nur vier Prozent auf die medizinische Leistung selbst, so der studierte Politikwissenschaftler. Um diesem Problem entgegenzuwirken, entwickelten er und sein Co-Gründer eine Kommunikationsplattform, über die Ärzte und insbesondere deren Mitarbeiter mit Patienten chatten, ihnen Untersuchungsergebnisse mitteilen oder über Medikationen und Rechnungen sprechen können. Dank der eingesetzten Künstlicher Intelligenz werden zudem viele Vorgänge automatisiert erledigt – so wird der Patient angeschrieben, wenn er nicht zu seinem Termin erscheint.

12,7 Millionen Euro Investorengelder

In den USA sei die Nahfrage nach Angeboten dieser Art immens: „Da es viele Selbstzahler unter den Patienten gibt, ist der Wettbewerbsdruck unter den Ärzten besonders hoch: Ein unzufriedener Patient wechselt sofort die Praxis. Das kann sich kein Mediziner leisten und legt darum viel Wert auf eine zufriedenstellende und reibungslose Kommunikation“, erklärt Simon Lorenz.

Um das Geschäft weiter auszubauen, erhielt das Start-up, dessen Hauptsitz inzwischen in New York ist, nun 15 Millionen Dollar (rund 12,7 Millionen Euro). Unter den Investoren ist Googles Risikokapitalgesellschaft Gradient Ventures, die im Juni auch in das Berliner Software-Start-up Back Technologies investiert hatte. Mit an Bord sind auch das US-Beteiligungsunternehmen Frist Cressey sowie FirstMark Capital, Lerer Hippeau, Stage 2 Capital und der Bestandsinvestor Project A aus Berlin.

Fokus auf den US-Markt 

Es ist bereits die vierte große Finanzierungsrunde für Lorenz und Bolz: 2015 sammelten sie zwei Millionen Euro ein, im September 2016 folgten drei Millionen Dollar, vor zwei Jahren 11,5 Millionen Dollar. Lead-Investor war damals der US-VC FirstMark Capital, der auch bei Airbnb und Pinterest investiert ist.

Auch zukünftig wolle man sich vor allem auf das US-Geschäft konzentrieren, so Lorenz. Und zwar nicht nur, weil es dort  leichter sei die Klara-Software in die bestehenden Praxismanagementsysteme zu integrieren: „Natürlich würden wir auch sehr gerne in Deutschland durchstarten, aber die Abwehr der großen Anbieter solcher Systeme gegenüber Start-ups wie uns ist nach wie vor gewaltig.“ Ausschließen will er allerdings nicht, dass Klara eines Tages auch in Deutschland Anwendung findet: „Wir haben den Eindruck, dass sich aktuell in Sachen E-Health ziemlich viel bewegt”, sagt Simon Bolz.