Manche Eltern sind ängstlich, andere mutig: Diese acht Start-ups haben Eltern und Kinder gemeinsam gegründet.

Von Jule Zentek

Die Gründung eines Unternehmens verlangt mehr als nur eine gute Idee. Auch die finanziellen und betriebswirtschaftlichen Möglichkeiten müssen passen. Das macht eine Gründung zu einem spannenden, aber auch riskanten Schritt. Frische Gründer wissen: Nicht jeder will das unterstützen.

Wenn diese Gegenstimmen auch noch aus der eigenen Familie kommen, kann das einschüchtern. Eine Studie des Branchenverbandes Bitkom zeigt: 34 Prozent der befragten Eltern wären dagegen, wenn ihr Kind gründen würde. Rund 30 Prozent würden ihrem Sprössling von der Idee sogar abraten. Und ohne Rückhalt wollen viele den großen Schritt in die Selbstständigkeit nicht wagen.

Doch es kann natürlich auch anders gehen. Statt von einer Gründung abzuraten, machen manche Eltern mit: Sie wollen gemeinsam mit dem Nachwuchs gründen. Und das ist oft gar keine schlechte Idee: Alt und Jung können sich gegenseitig ergänzen.

Wie die Mischung aus Lebenserfahrung und Gründergeist die Gründung eines Unternehmens bereichern kann, zeigen diese acht Familienunternehmen.

Yoummday

Den Gründergeist müssen die Söhne von Vater Klaus Harisch wohl geerbt haben: Er gründete bereits die Auskunft 11880. Gemeinsam mit seinen Söhnen Pablo und Lion gründete der 52-Jährige nun das Start-up Yoummday – eine Online-Vermittlungsbörse für Telefon-Agenten. Das Start-up verdient dabei an jedem entgegengenommenen Anruf. Die Familie ergänzt sich: Vater Klaus hat unternehmerische Erfahrung, während seine Söhne das Familienunternehmen mit Fachkenntnissen aus Informatik, Wirtschaftsrecht und Politikwissenschaften bereichern.

Schleifenparadies

Unter der portugiesischen Sonne gründete Gabriele Fritsche mit Sohn Matthias den Online-Shop Schleifenparadies. Von Geschenkschleifen über Riesenschleifen bis hin zu Outdoor-Schleifen reicht das Angebot – mit dem sie sogar das Disneyland Paris und die Lufthansa beliefern. Zu sehen gab es das Mutter-Sohn-Duo bereits in der vergangenen Staffel von „Die Höhle der Löwen“. Denn die hohe Nachfrage und Auftragslage verlangte weitere Investitionen. Die Löwen konnten das Start-up jedoch nicht überzeugen. Die Fritsches halten an ihrem Traum fest: Sie wollen europäischer Marktführer werden. 2015 erwirtschafteten sie einen Nettogewinn von rund 85.000 Euro.

Limberry

Aus Design-Trachtenmode machte Sibilla Kawala ein Start-up: 2010 gründete die damals 26-Jährige Limberry. Den Unternehmergeist hat Sibilla dabei wohl von ihren Eltern geerbt. Die führten einen Stahlhandel und arbeiten mittlerweile im Unternehmen der Tochter mit. Vom ersten Tag an mit dabei: Mutter Eva Kawala. Sie begleitete die Gründung und arbeitet seitdem Seite an Seite mit ihrer Tochter. Gemeinsam entwirft das Mutter-Tochter-Gespann die Trachtenmode für Limberry. Sehr erfolgreich lief das vergangene Jahr: Der Umsatz hat sich verdreifacht. Dabei geholfen haben Investitionen von Karsten

Maschmeyer und Judith Williams – die überzeugte Sibilla in der vergangenen Staffel von „Die Höhle der Löwen“.

Vion

Das Problem lag für Finn Plotz auf dem heimischen Wohnzimmertisch: Jedes Gerät braucht eine eigene Fernbedienung. Das muss auch anders gehen, dachte sich der damals 17-Jährige. Er entwickelte Vion – eine Bedienung für alles. Für die Umsetzung sammelte er von Investoren rund 600.000 Euro ein. Wenige Monate nach seinem Abitur 2015 kam das Gerät auf den Markt. Doch ganz allein hat Finn es nicht geschafft: Vater Henning Plotz unterstützte Finn tatkräftig bei seinem Vorhaben. Der Unternehmer finanzierte die Gründung mit und inspirierte seinen Sohn zur Gründung eines Start-ups. Bisher gibt es Vion jedoch nur für den deutschen Markt – das soll sich aber ändern.

Math 42

Die Idee kam Maxim Nitsche, nachdem er lange Nachhilfe gegeben hatte. Mathematik einfach und individuell erklärt – das wollte er mit einem digitalen Mathe-Nachhilfelehrer schaffen. Von dem Plan eine App zu entwickeln, überzeugte er Bruder Raphael. Gemeinsam schrieben sie einen Businessplan, der den Vater überzeugen sollte. Und nicht nur der war am Ende begeistert – auch seine Frau wollte mitwirken. Nach dreieinhalb Jahren Entwicklung kam die App Math 42 auf den Markt. Von Apple wurde sie als Teil von „Apple’s Best of 2013“ ausgezeichnet. Inzwischen hat die Online-Nachhilfe mehr als 1,8 Millionen Nutzer.

FinanceFox

Wenn es einmal klappt, dann sicher auch beim zweiten Mal: Als Mitgründer des Gutschein-Unternehmens „DeinDeal“ machte er erste Erfahrungen. 2014 gründete Julian Teicke dann erneut ein Start-up: FinanceFox soll Kunden einen Überblick über die eigenen Versicherungen verschaffen. Per App können Versicherungspolicen digitalisiert und bearbeitet werden. Bei der Umsetzung half Vater Hartmut Teicke. Er ließ seine jahrelange Erfahrung aus der Versicherungsindustrie mit einfließen. Mittlerweile ist er CEO Deutschland von FinanceFox. Bereits im Frühjahr 2016 hat das Start-up sein Jahresziel an Neukunden erreicht. Vielversprechend außerdem: Am Kapitalmarkt sicherte sich das Start-up 28 Millionen US-Dollar zur weiteren Entwicklung.

Pharmatching

Echte Frauenpower herrscht bei den Gründerinnen von Pharmatching. Gemeinsam mit Mutter Gabriele Dallmann gründete die studierte Medienwirtin Henriette Frädrich eine Partnerbörse für die Pharma-Branche. Die Idee hinter dem Angebot: Unternehmen finden kompetente Dienstleister für die Entwicklung von Medikamenten. 2009 starteten sie damit erfolgreich als Matching-Plattform im Internet – die einiges an Investitionen verlangte. Denn Pharmatching ist eine B2B-Plattform innerhalb einer Nische der Pharma-Branche und muss sich er entwickeln. Zugleich braucht die Zusammenführung von Kooperationspartnern Zeit. Mit den rund 10000 Nutzern und 500 erfolgreiche Matches sind die Gründerinnen zufrieden.

Remod

Freiheit und Selbstständigkeit – das wollte Anna Gutmann mit dem Gerät „ReMoD“ (Remember-MotionDevice) für andere Leute schaffen. Als Zielgruppe gelten Hemiparesepatienten – also halbseitig Gelähmte. Denn die Idee kam Gutmann nicht ohne Grund: Tochter Dindia ist durch einen Schlaganfall seit ihrer Geburt halbseitig gelähmt. Das Biofeedbackgerät regt durch Elektrostimulation den Bewegungsapparat an, Haltungsfehler können so korrigiert werden. 2005 entstand der Prototyp, mittlerweile ist Anna Gutmann Gründerin und Patentinhaberin. Tochter Dindia unterstützt die Weiterentwicklung und ist studierte Wirtschaftswissenschaftlerin. Einen potenziellen Hersteller haben die Gutmanns – doch noch fehlt die Zulassung als Medizinprodukt. Dafür läuft derzeit eine Crowdfunding-Kampagne.