Für immer mehr junge Tech-Firmen sind selbstlernende Algorithmen elementar für ihr Geschäftsmodell, zeigt eine Studie. Doch oft fehlt den Gründer das Geld, um weiterzukommen.

Ein Programm, das Medizindaten oder Röntgenbilder durchforstet – und so Ärzte entlastet. Software, die den Straßenraum erfasst – und dadurch das autonome Fahren ermöglicht. Oder eine Anwendung, die aus unübersichtlichen Datenmengen in Unternehmen eindeutige Zusammenhänge erkennt. Immer mehr Start-ups in Deutschland sehen die sogenannte Künstliche Intelligenz (KI), hinter den oft selbst lernenden Algorithmen stecken, als wichtigen Treiber für ihren Erfolg.

Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Bundesverbands Deutsche Startups, die gemeinsam mit dem Telekom-Inkubator Hubraum herausgegeben wurde (hier geht es zum PDF). Im vergangenen Jahr gaben 35,5 der befragten Tech-Firmen an, dass KI einen großen Einfluss auf ihr Geschäftsmodell hat – in diesem Jahr stieg dieser Wert auf 40,4 Prozent. Insbesondere die forschungsstarken deutschen Universitäten sorgen immer wieder für innovative Ausgründungen, die ein Hochschulprojekt in eine erfolgreiche Gründung verwandeln wollen.

KI-Start-ups kooperieren eng mit Konzernen

Stärker noch als andere Start-ups richten sich die KI-fokussierten Firmen auf Geschäftskunden aus. Fast drei Viertel der Tech-Unternehmen kooperieren zudem mit etablierten Konzernen oder Mittelständlern. Das ist oftmals elementar, um einen wichtigen Treibstoff für die Software-Entwicklung zu erhalten: Eine große Menge an Daten. Denn um den Algorithmus zur Marktreife zu bringen, müssen die Teams gerade zu Beginn Massen an Informationen mitbringen – nur dann kann die Software überhaupt Muster oder Zusammenhänge erkennen. Gerade in der Industrie sind jedoch viele etablierten Unternehmen vorsichtig, was das Teilen ihrer eigenen Daten angeht.

Ein anderer wichtiger Treibstoff für die KI-Start-ups ist ebenfalls sehr schwer zu bekommen: Und zwar Kapital. Je komplexer die Anwendung, desto länger brauchen die jungen Unternehmen, bevor sie Umsätze mit ihrer Software erreichen können. Dazu kommt, dass KI-Entwickler global eine begehrte Ressource sind – und Konzerne häufig mit höheren Gehältern um die Talente konkurrieren. Mehr als drei Viertel der befragten KI-Start-ups wollen daher Risikokapital einsammeln und haben bereits Investoren an Bord, das ist signifikant mehr als bei anderen Digitalfirmen.

Wenig Geld für die Wachstumsphase

Doch viele der Start-ups tun sich schwer, finanzstarke Geldgeber – insbesondere für eine Wachstumsphase – zu gewinnen. Dieses Problem wird in der Gründerszene schon seit langem beklagt. Doch beim Thema KI kommt noch eine besondere Dynamik dazu: „Der Wettbewerb ist global, sodass Startups weltweit mit deutschen Unternehmen zusammenarbeiten“, lässt sich Holger G. Weiss, Gründer des KI-Start-ups German Autolabs, in der Studie zitieren. „Häufig sind internationale Startups auch noch deutlich besser finanziert. Um das deutsche KI-Ökosystem weiterzuentwickeln, braucht es daher deutlich mehr Kapital.“ Rein statistisch hängt die Bundesrepublik hinterher: Die aktuelle Studie vergleicht dafür die Investitionen pro Kopf in KI-Start-ups. Während Israel auf einen Wert von 118 Dollar und die USA noch auf 57 Dollar kommen, sind es in Deutschland gerade einmal vier Dollar.

Der Start-up-Verband fordert nun auch Unterstützung aus der Politik: „Für Deutschland ist es gerade jetzt enorm wichtig, im Bereich innovativer Technologien dranzubleiben und unsere Wirtschaft zukunftsfest zu machen“, sagt Franziska Teubert, Geschäftsführerin des Startup-Verbands. „Mit dem Rettungspaket für Startups hat die Politik zwar kurzfristig reagiert – doch nun braucht es Visionen für neue Wachstumsimpulse. Künstliche Intelligenz muss dabei ein fundamentaler Bestandteil sein.“ Tatsächlich tauchen zusätzliche Mittel für die KI-Förderung in dem Corona-Hilfspaket auf, dass die Bundesregierung im Frühjahr beschlossen hat. Auf welchen Wegen deutsche Start-ups davon profitieren können, ist allerdings noch unklar.