Zu viel körperliche Arbeit, zu wenig Fachkräfte: Mit einem Lift will das Start-up den Zeitaufwand auf Baustellen reduzieren. Mit frischem Kapital soll nun die erste Kleinserie entstehen.

Ein Mann pro Ebene, ein Brett pro Arbeitsschritt: Über eine mühsame Menschenkette wachsen heute noch die meisten Gerüste in die Höhe. Bevor es auf einer Baustelle richtig los gehen kann, ist dabei schon viel Schweiß geflossen. Und die Branche steht durchaus unter Druck: Zum einen sind auch bei einer guten Auslastung die Margen nicht besonders üppig – zum anderen wird es immer schwieriger, Fachkräfte für diese Knochenarbeit zu gewinnen.

Das Münchener Start-up Kewazo hat sich diese klar abgesteckte Branche mit etwa drei Milliarden Euro Jahresumsatz in Deutschland als erstes Experimentierfeld ausgesucht. Die Entwickler tüfteln aktuell an der zweiten Vorserienversion ihres Bauroboters. Der „Liftbot“, der aktuell auf einigen Baustellen getestet wird, ist ein neuartiger Aufzug für Gerüstteile. Unten lädt ein Mitarbeiter die Planken und Stangen auf, entlang einer Führungsschiene fährt die Fracht senkrecht nach oben, dort nimmt ein Bauarbeiter die Teile in Empfang.

Akkubetrieb statt Stromsuche

Bis zu 44 Prozent der Mannstunden, so rechnet es Mitgründer Artem Kuchukov vor, könnten die Gerüstbauer so einsparen. Die kompakte Bauweise soll eine schnelle Installation auch auf engen Baustellen ermöglichen. Und dank Akkubetrieb ist der Lift sofort einsatzbereit: „Auf manchen Baustellen sucht der Vorarbeiter erst einmal zwei Stunden nach dem Stromanschluss – und die Mannschaft trinkt solange Kaffee“, sagt Kuchukov.

Trotzdem: Baulifte und Seilaufzüge gibt es auch heute schon von zahlreichen Anbietern. Das Start-up werkelt daher nicht nur an der Technik, sondern auch an der richtigen Verkaufsstrategie. „Es gibt sehr unterschiedliche Unternehmen in der Branche, einige sind auch skeptisch“, sagt Kuchukov, „unser Job ist es, die zu finden, die von dem Effizienzgewinn überzeugt sind.“

Branchenexperte hilft bei Baufirmen weiter

Als wichtiger Unterstützer kommt nun ein Manager mit Branchenerfahrung dazu. Helmut Kreller wird Vorsitzender im Beirat des Start-ups. Kreller leitete zuvor den Gerüstbau-Systemhersteller Wilhelm Layher mit mehr als 1400 Mitarbeitern. Produkte, „die de Kosten im Gerüst-Aufbau signifikant reduzieren und zugleich die Sicherheit vor Ort erhöhen, werden die Industrie nachhaltig verändern“, lässt er sich in einer Pressemitteilung zitieren.

Frisches Kapital soll nun beim Aufbau einer Kleinserie helfen. Bis zu 2,5 Millionen Euro stellt die MIG AG als Leadinvestor als Risikokapital bereit. Der Münchener Fonds war bereits vor einem Jahr bei einer ersten Finanzierungsrunde über etwa eine Million Euro dabei gewesen.

Kewazo, das mit seinem Produkt auf der Branchenmesse Bauma auf offene Ohren bei vielen Experten stießen, will sich vorsichtig voran arbeiten. In diesem Jahr, so das Ziel laut Mitgründer Kuchukov, sollen bis zu zehn Liftbots ausgeliefert werden – eng begleitet von Mitarbeitern. „Die Betreuung ist uns aktuell sehr wichtig“, sagt der TU-München-Absolvent. Auch das gut 15-köpfige Team soll nur mit Bedacht wachsen: „Wir suchen aktuell jemanden für die Schnittstelle zwischen Entwicklung und Vertrieb“, berichtet Kuchukov.

Lift kann auch in anderen Branchen helfen

Die Vision reicht deutlich weiter. Neben traditionellen Gerüstbauern kooperiert das Start-up auch mit der Prozessindustrie. Hier müssen etwa für die Wartung von Raffinerien häufig Gerüste aufgebaut werden. Die Homepage von Kewazo verweist auch auf mögliche Einsatzzwecke bei der Installation von Solaranlagen oder in der Lagerlogistik. Mit unterschiedlichen Tragekörben soll der Liftbot so an vielen Orten zum Einsatz kommen.

Zudem hoffen die Münchener auf Erkenntnisse aus den Daten, die ihre Geräte liefern. Die Software des Liftbots soll auswerten, wann welche Baustoffe oder Materialien transportiert werden. „So ein Datensammelpunkt kann zum Gehirn der Baustelle werden“, sagt Kuchukov.