Von der Lifestyle-App zum Gesundheitshelfer: Das Start-up hat bereits eine Entwicklung hinter sich. Eine Millionen-Finanzierung soll bei den weiteren Schritten helfen.

Kein Platz mehr frei, keine Zeit an dem einen Wochenende, kein Angebot in der Nähe: Werdenden Eltern, die keine Chance sehen, einen Geburtsvorbereitungskurs zu besuchen, will Keleya helfen. Das Start-up bietet seit dem Frühjahr eine digitale Version an. Das ergänzt das Angebot von Infos und Checklisten rund um die Schwangerschaft, mit dem die Berliner seit etwa zwei Jahren auf dem Markt sind.

Angefangen hatte die App mit eher simpleren Tipps und Tricks rund um die Zeit vor der Geburt. Man sehe sich heute als „verlängerter Arm der Hebammen“, sagt Mitgründerin Victoria Engelhardt. Videos und Texte zur Ernährung, Sport und Gesundheit für Schwangere würden in Zusammenarbeit mit Hebammen und Gynäkologen erarbeitet, sagt die ehemalige Rocket-Internet-Managerin. „Über die Zeit haben wir gemerkt, dass medizinische Inhalte eine immer wichtigere Rolle spielen.“

Kapital aus der Gesundheitsbranche

Diesen Weg will das Start-up weiter beschreiten. Dafür erhält Keleya jetzt einen einstelligen Millionenbetrag von Investoren, wie WirtschaftsWoche Gründer vorab erfuhr. Das Geld stammt unter anderem von den Beteiligungsgesellschaften Brückenköpfe und MediVentures, die sich auf das digitale Gesundheitswesen fokussieren. Auch W&W ist über seine Tochtergesellschaft Brandpool mit dabei. Der Versicherer war bereits bei der Anschub-Finanzierung im September 2017 an Bord gekommen. W&W konzentriert sich auf Vorsorgethemen und ist unter anderem auch an Kinderheldin beteiligt, das die Vernetzung von Eltern und Hebammen ermöglichen will.

Mehr als 200.000 Nutzerinnen hat Keleya nach eigenen Angaben bereits, über 8000 davon haben ein kostenpflichtiges Abo abgeschlossen. Die App kostet jenseits einer kostenfreien Basis-Version zwischen fünf und zehn Euro im Monat. Der digitale Geburtsvorbereitungskurs ist separat für knapp 50 Euro buchbar.

Längerer Nutzen, häufigere Erstattungen

Eine Herausforderung in der Geschäftsentwicklung: Mit der Anwendung positioniert sich Keleya klar als Begleiter für die neun Monate der Schwangerschaft. Über Wochenbett und Stillzeit will das Start-up den Nutzungszeitraum verlängern. Dann aber tut sich die App schwer, die Kundinnen weiter zu binden. Das könnte sich in zukünftigen Ausbaustufen ändern: „Wir können uns auch vorstellen, da deutlich weiter zu gehen“, sagt Victoria Engelhardt.

Parallel stehen Engelhard und Mitgründerin Sarah Müggenburg in Gesprächen mit Krankenkassen. Die AOK Plus und Ottonova erstatten ihren Mitgliedern bereits die digitalen Leistungen – andere Versicherer könnten bald folgen. Mehr Schwung könnte diesem Geschäft das Digitale-Versorgung-Gesetz bringen, das Gesundheitsminister Jens Spahn aktuell umsetzen will. In dem Gesetz könnte die Erstattungsfähigkeit von medizinisch hilfreichen Apps verankert werden. Auch Start-ups wie Moodpath hoffen, dass dadurch mittelfristig die Umsätze steigen.