Das Münchener Team will auch eigene Audio-Inhalte für Kinder erstellen. Die Konkurrenz um die junge Zielgruppe ist groß. Ein bekannter Musiker hilft mit Kapital, Kontakten und Know-how.

1000 Alben zur Auswahl – alle vorinstalliert auf einem bunten Kopfhörer: Mit diesem Angebot an kindgerechter Musik und Hörspielen will das Start-up Kekz im kommenden Frühjahr loslegen. Gedacht ist die Kombination für Kinder zwischen drei und sieben Jahren. Anstatt des elterlichen Smartphones oder Tablet soll der Kopfhörer des Start-ups für Unterhaltung auf Reisen oder in der Wohnung sorgen. „Das Thema beschäftigt alle Eltern“, ist Mitgründer Carl Taylor überzeugt.

Gleichzeitig will Kekz ein gutes Geschäftsmodell für sich aufbauen. Die Kopfhörer selbst sollen im Frühjahr für knapp 60 Euro in den Verkauf gehen. Dazu werden die einzelnen „Chips“ für je sieben bis elf Euro verkauft, die unterschiedliche Hörspielserien oder Musikalben auf dem Kopfhörer freischalten. Die Kinder können sich je nach Bild das gewünschte Hörspiel aussuchen und in die Hörer einlegen. Mit dem Konzept orientieren sich Taylor und sein Mitgründer Adin Mumma an einem Erfolgsprodukt der vergangenen Jahre: „Wäre es nicht super, das haptische Gefühl der Toniebox mit einem Kopfhörer zu koppeln“, beschreibt Taylor den Ausgangspunkt des Start-ups vor einem Jahr.

Musik fürs Kinderzimmer ist ein Millionen-Markt

Die Toniebox entstand 2013 in Düsseldorf. Hier können Kinder eine Spielfigur auf einen gepolsterten Lautsprecher stellen – das Gerät spielt dann die zur Figur passende Geschichte ab. Das Start-up zog erst die Aufmerksamkeit vieler Eltern auf sich, dann folgten die Investoren. Im vergangenen Jahr sicherten sich Investoren die Mehrheit an dem schnell wachsenden Unternehmen, im Gespräch war eine Bewertung im dreistelligen Millionenbereich.

Davon ist Kekz noch weit entfernt. Aktuell sucht das Start-up nach Testkunden, im Frühjahr 2021 will man die fertigen Geräte auf dem Markt anbieten. Schon jetzt sorgt das Team aus München aber für Wirbel. Das Produkt wurde mit dem German Design Award ausgezeichnet, beim Start-up-Festival Bits&Pretzels konnte sich die Gründer präsentieren, die TV-Caster der „Höhle der Löwen“ haben bereits angeklopft.

Peter Maffay steigt als Investor ein

Und nach der ersten Entwicklungsphase aus eigenen Mitteln ist nun auch der erste Investor dazugekommen. Mit Kapital, Kontakten und Know-how soll Peter Maffay weiterhelfen. „Die Idee einer ablenkungsfreien Unterhaltungsmöglichkeit, die fast schon an analoge Zeiten erinnert, hat uns begeistert“, lässt sich Maffay zitieren. Er hat sich mit einer ungenannten Summe an Kekz beteiligt – die Verbindung entstand über den vorherigen Job von Mitgründer Taylor bei Sony Music. „Inhaltlich ist die Partnerschaft für uns Gold wert“, sagt Taylor. „Eltern vertrauen Peter Maffay als Produzent von hochwertigen Inhalten für Kinder“.

Die „Tabaluga“-Saga von Maffay gehört auch zum Grundpaket der Kekz-Kopfhörer. Zudem sollen in dem Studio des Musikers demnächst auch eigene Inhalte entstehen. Man wolle hin zu einer „Art Audio-Netflix für Kinder“, beschreibt es Taylor. Die Auswahl an unterhaltsamen oder auch lehrreichen Inhalten soll so nach und nach wachsen. Die sollen die lizenzierten Hörspiele und Alben ergänzen.

Dabei stößt das Start-up aber auch in die Geschäftsmodelle einiger anderer Unternehmen vor: Viele Kopfhörerhersteller haben bereits seit vielen Jahren spezielle Produkte für Kinder im Angebot, oft in bunten Farben und mit einer begrenzten Lautstärke. Beim Streamingdienst Spotify findet sich heute schon ein umfangreiches Angebot speziell für Kinder. Und zur Toniebox gibt es auch eigene kabelgebundene Kopfhörer. Es gebe viele Hersteller in den verwandten Bereichen, sagt Kekz-Gründer Taylor – bleibt jedoch optimistisch für die Chancen seines Start-ups: „Aber in dem Bereich der autarken Reiseunterhaltung gibt es keine Konkurrenz“.