In der Höhle der Löwen pitcht eine Tapeten-Traditionsfirma eine antibakterielle Oberfläche. Die TV-Investoren sind skeptisch – das Vater-Sohn-Gespann setzt auf ein wachsendes Interesse bei Kliniken, Pflegeheimen und Co.

Die Begeisterung für das Produkt war groß, aber die Brieftaschen der TV-Investoren blieben geschlossen: Das Start-up KeimEx konnte im Staffelfinale von „Die Höhle der Löwen“ keinen Deal abschließen. Angetreten war das Vater-Sohn-Gespann Ullrich und Paul Eitel mit ihrem antibakteriellen Wandbelag. Silberionen werden im Siebdruckverfahren aufgetragen, zudem ist die Spezial-Tapete abwischbar. Das soll in sensiblen Bereichen die Keimbelastung erheblich reduzieren. In einem Test an der Uniklinik Marburg sank die lokale Keimbelastung um etwa zwei Drittel.

Die Produkt-Kompetenz hat dabei Tradition: Ullrich Eitel führt in fünfter Generation die Marburger Tapetenfabrik. Für das neue Produkt suchte er mit seinem Sohn Paul einen Investor – und bot 25 Prozent der Anteile von KeimEx für 500.000 Euro. Ein gutes Jahr nach der Aufzeichnung ist das vergebliche Werben um Gelder nun im Fernsehen zu sehen. Im Interview ist Ullrich Eitel überzeugt: Passender hätte das Timing für die Ausstrahlung kaum sein können.

Herr Eitel, Sie traten mit dem Ziel an, mit einem Investment auch Vertriebs-Power zu gewinnen. Warum reichte nicht das Netzwerk der Tapeten-Fabrik?
Die antibakterielle Tapete ist ein technisches Produkt. Da brauchten wir einen anderen Ansatz. Wir hatten damals einen Vertriebler eingestellt, der deutschlandweit rauf und runter gefahren ist, um Krankenhäuser und Altenheime zu überzeugen. Aber bei denen dauern die Entscheidungen oft irrsinnig lange. Man muss den Geldgeber, den Verwaltungschef, den Hygieniker, den Architekten und den Facility Manager alle unter ein Dach bringen.

Beim Pitch vermeldeten Sie 25.000 Euro Umsatz. Wie sieht das heute aus?
Heute haben wir einige Projekte, die wir abarbeiten. So haben wir etwa ein Altenheim mit mehreren hundert Zimmern ausgestattet. Aber auf den  richtigen Durchbruch warten wir noch.  Wir liegen jetzt bei etwa 200.000 Euro Umsatz mit KeimEx.

Und warum sollte sich das nun ändern?
Weil die Bekämpfung von Bakterien und Viren in der aktuellen Situation der Corona-Pandemie überlebenswichtig ist.  Damals war unser Produkt ein „Nice-to-have“ – heute kann es Leben retten.  Wir glauben, dass die Tapete den Schutz der Patienten oder Heimbewohner wesentlich verbessern kann. Die Flächen reduzieren die Keim- und auch Virenbelastung – und sie sind abwischbar und desinfizierbar. Damit erreicht man eine klinisch saubere Oberfläche.

Erreicht man dadurch denn auch die Entscheider?
Durch die Corona-Pandemie hat sich die Sensibilität für Oberflächen deutlich erhöht. Wir sind sicher, dass das Personal in vielen medizinischen Einrichtungen sich angesprochen fühlt. Zum Zeitpunkt der Aufzeichnung waren viele noch nicht so aufmerksam bei dem Thema. Die Sendung kommt daher für uns genau zum richtigen Zeitpunkt.

Sehen Sie denn auch noch andere Zielgruppen für das Produkt?
Natürlich. Ob Arztpraxen, Kindergärten, Krankenhäuser oder Bäckereien – die steuern wir alle an. Das sind alles Branchen, in denen Hygiene eine entscheidende Rolle spielt. Da gibt es auch immer wieder Anfragen und Umsetzungen. Etwa bei einer Bäckerei hier in der Nähe.

Die Löwen fragten sich auch, warum Sie den Wandbelag nicht direkt an Privatleute vertreiben. Steigt da nicht auch gerade die Neugier?
Auf jeden Fall. Daher machen wir das jetzt auch, angeregt durch den Pitch. Seit einer Woche sind wir mit keimEx auch bei Amazon vertreten, damit jedermann die Tapete dann auch schnell bekommen kann.

Wie sieht die Arbeit bei keimEx denn aktuell aus?
Carsten Maschmeyer hat das schon richtig erkannt: Wir sind kein Start-up im herkömmlichen Sinne. Die Produktion der Tapeten findet bei der Mutterfirma statt, keimEx ist eigentlich nur die Vertriebstochter. Mit der sind wir nun etwas unabhängiger von unserem herkömmlichen Klientel.

Im Fernsehen kritisieren die Investoren auch, dass ihr Sohn die Geschäfte bei KeimEx führt – aber nebenbei studiert.
Das ist immer noch so, da haben wir denselben Sachstand. Aktuell macht er seinen Master fertig, dann wird er voll einsteigen. Im Moment ist die Arbeit etwas on hold.

Trotzdem soll es jetzt richtig losgehen?
Das Produkt ist fertig und steht jederzeit zur Verfügung. Zum einen hoffen wir auf die Aufmerksamkeit, die sich aus der Ausstrahlung ergibt. Und zum anderen wird die Corona-Krise für erhebliches Interesse sorgen. Daraus müsste sich eine vernünftige Geschäftsentwicklung ergeben.