Das Konzept der sogenannten ´Ghost-Küche´ lockt alte und neue Investoren an. Mit dem Geld wollen die Gründer die europaweite Expansion vorantreiben.

Sich essen liefern zu lassen gehört für den modernen Großstädter zum Alltag – wie der Coffee-to-go oder das Checken des Twitter-Accounts auf dem Weg zur Arbeit: Laut Verbrauchs- und Medienanalyse VuMA bestellen über 19 Millionen Menschen jeden Monat ein- oder mehrmals Essen bei einem Lieferservice. Heute Sushi, morgen Pizza, übermorgen Indisch? Lieferando, Foodora & Co machen es möglich und bringen das Essen bis an die Haustür. Dahinter stecken vor allem Bequemlichkeit, Zeitmangel oder schlicht der Wunsch nach mehr Abwechslung auf dem Teller.

Von diesem Trend profitiert auch das Berliner Start-up Keatz, das mit dem Konzept der sogenannten´Ghost-Küche´ in einer Series-A-Finanzierungsrunde zwölf Millionen Euro einsammeln konnte.

Küchen in allen europäischen Großstädten in Planung

Mit an Bord sind die Altgesellschafter Atlantic Food Labs, der Berliner Wagniskapitalgeber Project A, JME Ventures und K Fund aus Spanien sowie der italienische VC Ustart. Neu dabei ist der russische Investor RTP Global, der bereits am 2011 gegründeten indischen ´food on demand´ – Unternehmen Rebel Foods beteiligt ist. Im Mai des vergangenen Jahres hatte Keatz bereits sechs Millionen Euro eingesammelt.

Das frische Kapital soll in die europaweite Expansion fließen, so Co-Gründer Paul Gebhardt auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer. „Wir haben vor in den kommenden 18 Monaten in allen großen europäischen Städten Küchen zu eröffnen – rund 100 sind in Planung.” Aktuell liege der Fokus noch auf Spanien, den Niederlanden, England und Deutschland.

Keatz betreibt sogenannte Ghost-Küchen – auch Cloud-Kitchen genannt –  und verzeichnet dabei komplett auf eigene Restaurants. Die Speisen werden stattdessen ausschließlich über Lieferdienste wie Deliveroo, Delivery Hero, UberEats and Glovo angeboten. Zurzeit unterhält das Start-up Küchen in Berlin, München, Amsterdam, Madrid und Barcelona und beschäftigt in diesen 200 Mitarbeiter plus 30 Angestellte in den Büros in Berlin, Amsterdam und Madrid. Im Zuge der Expansion sei die Einstellung weiterer Mitarbeiter geplant, so Gebhardt.

Die Auslieferung der Gerichte wurde ausgelagert

Gestartet war das von Paul Gebhardt und Dimitrios Ploutarchos gegründete Unternehmen im Jahr 2016 als Salatdienst ´GreenGuru´. „Damals haben wir uns auch um die Auslieferung gekümmert, dabei aber schnell festgestellt, dass der Spagat zwischen Logistik und Herstellung von Essen sehr schwierig ist“, erklärt Paul Gebhardt.

Als Folge – und nach einer erfolgreichen Finanzierungsrunde über 2,2 Millionen Euro – setzte Keatz ganz auf den Aufbau digitaler Foodmarken und lagerte die Auslieferung über externe Plattformen wie Deliveroo und UberEats aus. Keatz verdient eigenen Angaben zufolge zwischen zehn und 20 Prozent an einer Bestellung. „Unser Ziel ist es zukünftig durch mehr Automatisierung der Küchen auf mindestens 30 Prozent zu kommen“, sagt Paul Gebhardt gegenüber WirtschaftsWoche Gründer.