Mit Reinigungsmitteln in Tab-Form will das Greentech-Start-up Umwelt und Geldbeutel schonen. Damit treffen sie den Nerv der Kunden – und der Investoren.

Für Nicolas Pless kam der Erweckungsmoment vor zwei Jahren. Während seines Auslandsaufenthalts in China wurde er mit der extremen Plastikverschwendung im Land konfrontiert und beschloss: Hier muss sich etwas ändern – und zwar nicht nur in China, sondern weltweit. 

Zurück in Deutschland setzte sich der Chemiker, der sich schon während seines Studiums mit Kunststoffrecycling beschäftigt hatte, mit dem Betriebswirt Jannes Meier zusammen: „Ich hatte mich schon lange gefragt, wieso Putzmittel immer so aufwendig in Plastik verpackt sein müssen – vor allem, wenn man bedenkt, dass sie zum Großteil aus Wasser bestehen, das jeder aus der Leitung zuhause bekommen kann.“

Umweltschutz und Nachhaltigkeit liegen im Trend

Die Idee: Ein Reinigungsmittel zu entwickeln, das nicht mehr in Einwegflaschen abgefüllt, sondern in Tab-Form gekauft wird, und das anschließend in einer Sprühflasche mit Leitungswasser aufgelöst werden kann. Das Start-up Ecotab war geboren.

Der Zeitpunkt hätte günstiger nicht sein können, denn die Deutschen waren durch die parallel immer größer werdende Fridays or Future-Bewegung stark sensibilisiert für das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit: „Wir sehen, dass wir mit der Erfindung der Ecotabs den Nerv der Zeit getroffen haben. Unsere Fangemeinde auf den Social Media Kanälen wird immer größer, täglich wachsen die Bestellungen in unserem Online-Shop im zweistelligen Bereich“, erzählt Nicolas Pless.

Finanzielle Entlastung für die Vebraucher

Verglichen mit herkömmlichen Putzmitteln sind Ecotabs nach eigenen Angaben bei gleicher Reinigungsleistung komplett mikroplastikfrei, biologisch abbaubar und kommen ohne Phosphate sowie die chemische Verbindung BPA aus. Doch nicht nur der Umweltaspekt wird für potentielle Käufer eine Rolle spielen ist sich Pless sicher. Neben der Einsparung von durchschnittlich 30 Einwegplastikflaschen pro Jahr lohne sich der Kauf auch finanziell: „Bis zu 40 Prozent der Kosten für Reinigungsmittel kann ein durchschnittlicher Haushalt beim Wechsel auf Ecotab einsparen.”

Mit diesen Argumenten konnten Pless und Meier jetzt auch eine Reihe namhafter Investoren von ihrem Start-up überzeugen, darunter Max Laarmann, Gründer von Emma Matratzen, Matthias Wilrich, Vice President Sourcing Tier Mobility, Dieter Lutz, Marketing Director Müller sowie Markus und Niklas Ott, Gründer von bonavi.

Investment im mittleren sechsstelligen Bereich

In einer Seed-Investment-Runde konnte Ecotab eine Summe im mittleren sechsstelligen Bereich einsammeln. Die genaue Summe wollte Nicolas Pless gegenüber WirtschaftsWoche Gründer nicht nennen. Wofür das Geld eingesetzt werden soll, ist dagegen kein Geheimnis: Ein Drittel des Fundings wird in den Aufbau des aktuell fünfköpfigen Teams fließen. Bis Ende 2020 soll es auch insgesamt zehn Personen anwachsen. Ein weiteres Drittel wird in Marketing investiert, um den Handel deutschlandweit auszurollen, das letzte Drittel befeuert den Ausbau der Supply Chain sowie die Entwicklung neuer Produkte.

Auch eine Internationalisierung sei geplant, so  Nicolas Pless. Aktuell könne die Produkte über den Online-Shop in Deutschland und Österreich vorbestellt werden. Weitere europäische Länder sollen folgen, schließlich sei das Thema Plastikvermeidung im Haushalt von weltweitem Interesse. Dabei setzt man nicht alleine auf den Online-Shop. „Wir haben noch in diesem Jahr den Weg in den stationären Handel geplant“, so Nicolas Pless. Das Produkt soll sowohl in Supermärkten, als auch in Drogerien erhältlich sein. Wo genau, werden die Gründer erst in den kommenden Wochen bekannt geben.