Mit kreativen Verpackungen und Mixturen will das Start-up den Gewürzmarkt aufmischen. Investoren stellen jetzt 13 Millionen Euro für die nächsten Schritte parat.

Ein Hauch von Pumpkin Pie für den nächsten Nachtisch, zum Preis von hochgerechnet knapp 15 Euro pro 100 Gramm: Diese Würzmischung entwickelte das Düsseldorfer Start-up Just Spices in kürzester Zeit. Mitarbeiter hatten den Trend zum amerikanischen Kürbiskuchen im Netz aufgeschnappt, eine Umfrage brachte innerhalb eines Tages mehr als 1000 positive Rückmeldungen – und zwei Wochen später war die Würzmischung im Online-Shop zu finden. „Das Spannende ist, das wir viel mehr Ideen haben, als wir realisieren können“, berichtet Mitgründer Florian Falk. Die erste Ladung Pumpkin-Pie-Spice war rasch ausverkauft, im Herbst dieses Jahres soll ein neuer Schub folgen.

Vom verstaubten Gewürzregal zum coolen Küchen-Accessoire: Diesen Weg hat sich Just Spices vorgenommen. 2014 hatten die drei Gründer beim Kochen in der Studentenbude vergeblich kreative Mischungen gesucht – und sie dann selbst hergestellt. Heute ist daraus ein Unternehmen mit einer breiten Produktpalette und mehr als 70 Mitarbeitern geworden.

Mit einer starken Marke gegen Maggi & Co.

Neben klassischen Mixturen für Kartoffeln, Plätzchen oder Nudeln experimentiert das Start-up mit Tütchen, die Mahlzeiten wie Linsen-Avocado-Salat oder ein Thai-Curry komplettieren sollen. Bunte Verpackungen gehören immer dazu, eine Rezept-Community im Netz ebenfalls. Man wolle den „Gewürzmarkt emotionalisieren“, sagt Falk heute.

Das Start-up versucht so auch, deutlich höhere Preise durchzusetzen. Eine gewöhnliche Curry-Gewürzmischung findet sich im Edeka-Onlineshop etwa für gut fünf Euro pro 100 Gramm, bei Just Spices werden knapp zehn Euro fällig. Eine starke Marke ist notwendig, um sich von den traditionellen Anbietern abzusetzen. Just Spices setzt auf Influencer-Werbung und ist stolz auf hohe Followerzahlen in den sozialen Netzwerken.

Gewürze im Regal und Online-Shop

Etwa 60 Prozent des Absatzes läuft direkt über den Online-Shop der Düsseldorfer. Zudem ist Just Spices mit seinen Produkten fast von Beginn an in Supermarktregalen vertreten. „Die Verkaufskanäle befruchten sich gegenseitig“, ist Falk überzeugt. Im Netz kann das Start-up die eigene Marke aufbauen und hat eine höhere Marge. Dank der Verkäufe im Supermarkt erreicht Just Spices eine deutlich breitere und größere Zielgruppe.

Die großen Einzelhandelsketten bemühen sich in den vergangenen Jahren stärker, auch Produkte von Start-ups Platz in den Regalen einzuräumen. Das gilt auch für den Konkurrenten Ankerkraut, die sich in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ viel Aufmerksamkeit und ein Investment von Frank Thelen sichern konnten.

13 Millionen Euro Wachstumskapital

Investoren sind überzeugt, dass mit den kleinen Gewürz-Paketen auch dauerhaft große Geschäfte zu machen sind. Drei Geldgeber führen eine Finanzierungsrunde über 13 Millionen Euro an. Mit Five Seasons Ventures ist dabei unter anderem ein französischer Risikokapitalgeber dabei, der sich auf die Lebensmittelbranche spezialisiert. Coefficient Capital fokussiert auf Konsumentenmarken. Und Bitburger Ventures ist nun mit an Bord – der Brauereikonzern investiert immer stärker in Start-ups.  „Wir sind froh über die neuen Partner“, sagt Falk.

Dank des zusätzlichen Kapitals will das Start-up nun seinen Wachstumskurs fortsetzen. In Spanien und Polen ist Just Spices bereits unterwegs, weitere europäische Länder und auch Nordamerika könnten folgen. Die größte Herausforderung dabei sei es, die „Marke zu transformieren“, sagt Falk. Andere Länder, andere Gewürzmischungen – das Start-up setzt auf die Auswertung von Daten und die Recherche vor Ort. Zudem will Just Spices stärker ins Marketing investieren, um die hochpreisigen Gewürzmischungen bekannter zu machen. Um die Aufgaben zu schultern, soll das Team noch einmal deutlich anwachsen.