Jetzt sind Start-ups meist keine großen Unternehmen. Wie schätzen Sie den Wert einer Neugründung?

Im Rahmen eines Verkaufprojekts sprechen wir intensiv mit den Unternehmern. Wir analysieren die Sachwerte, die Zahl der Mitarbeiter, die Finanzzahlen, den Wert der Technologien und eruieren, welche Käufer in Frage kommen. Für die abschließende Analyse gibt es mehrere Methoden wie beispielsweise eine Discounted Cash-Flow-Bewertungsmethode oder die Comparable Company Analysis.

Wie funktioniert diese?

Im Falle einer Comparable Company Analysis bewerten wir das Unternehmen im Vergleich zu börsennotierten Wettbewerbern und vergleichbaren Firmenverkäufen. Basis sind dann Umsatz- und EBIT- oder EBITDA-Multiplikatoren. Daraus wird eine Bewertungsvorstellung generiert. Nach dieser eher theoretischen Analyse setzen wir meistens auf strukturelle Verkaufsprozesse, aus denen sich der Firmenwert zum Marktpreis bildet.

Das heißt?

Wir erstellen umfangreiche Verkaufsunterlagen, schreiben einen detaillierten Businessplan und präsentieren das Unternehmen bei potentiellen Käufern.

Tipps für den Businessplan

Genaue Beschreibung des Produkts
Wenn Sie ein Produkt vertreiben wollen, muss der Businessplan den aktuellen technischen Entwicklungsstand beinhalten sowie Informationen über bestehende Patente oder Lizenzen. Handelt es sich dagegen um eine Dienstleistung, sollten Sie vor allem Alleinstellungsmerkmale betonen. Was macht Ihr Angebot anders als das des Wettbewerbers? Für beides gilt, möglichst genau.
Marktanalyse
Auch ein Blick auf den Wettbewerber ist wichtig: Wer kann Ihnen Konkurrenz machen und welche Strategien verfolgen andere Unternehmen? Dazu lohnt eine genaue Zielgruppendefinition inklusive Einkommen und Zahlungsmoral der möglichen Kunden.
Chancen und Risiken
Eine Unternehmensgründung ist immer auch mit Risiken behaftet. Um zu zeigen, dass Sie Ihr Vorhaben realistisch sehen und mögliche Risiken in Ihre Berechnungen einbezogen haben, sollte alles möglichst genauso berechnet werden. Empfehlenswert ist dazu ein Best-Case- und ein Worst-Case Szenario.
Investitionen
Eine der wichtigsten Rollen bei der Existenzgründung spielt Geld. Daher sollten Sie in Ihrem Businessplan diesen Punkt extra ausarbeiten und mit Zahlen und Fakten belegen. In einem ersten Teil können mögliche Anschaffungen der nächsten drei bis fünf Jahre aufgelistet werden. Daraus ergeben sich der Kapitalbedarf und die jährlichen Ausschreibungen.

Nutzen Sie dafür die Materialien, die das Start-up schon selbst erstellt hat, etwa den Businessplan?

Das hängt davon ab, was das Unternehmen bereits erarbeitet hat. Häufig nehmen wir bestehendes Material und optimieren es. In einigen Fällen fangen wir aber auch bei Null an und erstellen die kompletten Unterlagen.

Und was passiert dann?

Die potentiellen Käufer geben in der Folge ein Angebot ab. Diese Angebote werden dann von uns nachverhandelt. Wir bringen sozusagen mehrere Käufer in Wettbewerb zueinander. Die Bewertung der Firma entsteht damit durch den Markt – im Endeffekt bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Es hat also fast den Charakter einer Auktion.