Gründertrainerin Julia Derndinger will Start-ups helfen, erfolgreich zu sein. Und stellt fest: Viele Gründer haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen.

Von Katharina-Luise Kittler

WirtschaftsWoche Gründer: Frau Derndinger, Sie beraten junge Start-ups und Unternehmer zu den Abläufen in ihren Firmen. Wie sieht diese Beratung genau aus?
Julia Derndinger: Ich sehe mich nicht so sehr als eine Beraterin oder Trainerin sondern viel mehr als Mentorin und Person, die von außen auf die Abläufe im Unternehmen schauen kann. Meine Kunden mögen in dem Zusammenhang den Begriff Sparring Partner. Dabei bringe ich viel Erfahrung mit, da ich in der Vergangenheit schon einige Unternehmen selbst gegründet habe und deshalb dem Thema mit sehr viel Leidenschaft begegne. Wenn meine Kunden auf mich zukommen, dann haben sie immer konkrete Fragestellungen oder Probleme, die wir dann zusammen angehen. Dabei kann es sich um Fragen rund um das Gründen handeln oder um interne Abläufe in den jeweiligen Unternehmen. Beispielsweise stehe ich den Unternehmern bei Personalentscheidungen zur Seite und begleite Interviews.

In welcher Phase wenden sich die einzelnen Unternehmen an Sie?
Meine Kunden wenden sich in allen Phasen an mich aber es kommen nur bestimmte Unternehmer zu mir. Es sind in der Regel visionäre Unternehmer, die einmal in der Woche mit fünf Fragen zu mir kommen, über die sie die ganze Woche schon nachgedacht haben. Es gibt verschiedene Unternehmertypen: Visionär, Analytiker, Macher und Teamplayer. Der Visionär, der sehr genau weiß wo er in fünf Jahren sein will, ist sehr offen für Inspiration. Visionäre saugen alles in sich auf, bilden sich ständig weiter und sind sehr dankbar für mein Feedback. Manchmal ist es dann für solche Unternehmertypen schwierig sich zu fokussieren, weil sie eben nicht die besten Manager sind. Der, der ein Unternehmen gründet, ist nämlich mittelfristig nicht der, der es führt. Seltener wenden sich die typischen Managertypen an mich, die gern alle Aufgabenbereiche an sich reißen und ungern Verantwortung abgeben. Zudem ist es in Deutschland auch immer noch ein Tabu sich von einem Gründercoach beraten zu lassen. Da unterscheidet sich unsere Kultur zum Beispiel sehr von der amerikanischen. Dort ist es Gang und Gebe, dass Unternehmer sich externe Hilfe suchen. Grundsätzlich vertrete ich die Auffassung, dass niemand von einem Sportler den Gewinn einer Goldmedaille ohne den Trainer im Hintergrund erwartet. Genau diese Einstellung müssen wir auch auf das Unternehmertum übertragen und uns nicht dafür schämen, dass wir Hilfe in Anspruch nehmen.

Haben etablierte Unternehmen und Start-ups ähnliche Probleme mit denen sie sich an Sie wenden?
Sowohl Start-ups als auch etablierte Unternehmen nehmen meine Leistungen in Anspruch. Dabei habe ich in den letzten Jahren erkannt, dass beide Gruppen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Meistens stecken die Unternehmer zu tief in der Materie und können ihre Firma nicht mehr rational von außen betrachten. Dabei kann ich dann helfen und Tipps geben. Während der Gespräche bin ich dann auch sehr direkt und spreche die Probleme im Unternehmen konkret an. Das kann schon zu Anfang des Termins passieren, wenn ich das Bürogebäude betrete und es kein Hinweisschild auf die jeweilige Firma gibt. Das sind zwar Probleme, die sich schnell lösen lassen, für die viele Unternehmer aber kein Auge mehr haben. Unterschiede hinsichtlich meiner Kunden erkenne ich meistens nur im Hinblick auf die finanziellen Ressourcen. Etablierte Unternehmen haben natürlich viel mehr Budget zur Verfügung und dann lassen sich Entscheidungen manchmal einfacher treffen.

Mit welchen Problemen hatten Sie als junge Gründerin zu kämpfen?
Als ich mein erstes Unternehmen 2004 gründete, habe ich über anderthalb Jahre parallel weiterhin Vollzeit in meinem Job gearbeitet. Deshalb war ich nicht mit den Problemen konfrontiert, die junge Gründer haben, wenn sie sich ausschließlich auf ihr Unternehmen konzentrieren. Zudem hatte ich auch von Anfang an eine Finanzierung und einen Geschäftspartner, sodass ich nicht komplett allein die Verantwortung für das Unternehmen übernehmen musste. Ich bin einfach ein Macher und dachte, dass ich es unbedingt probieren sollte zu gründen. Es gab nicht einen Tag an dem ich gezweifelt habe und mir die Frage gestellt habe, ob ich es machen soll oder nicht. Natürlich reagiert die Familie am Anfang etwas kritisch. Ich habe einen Kredit von 250 000 Euro am Anfang aufgenommen und da haben meine Eltern gesagt: Wir unterstützen dich Kind aber bitte behalte erst einmal deinen Job.

Das digitale Zeitalter hat die weltweite Industrie enorm beeinflusst. Welche Auswirkungen können Sie bei jungen Unternehmern erkennen?
Ich werde mit den Veränderungen durch das digitale Zeitalter ständig konfrontiert, denn die meisten meiner Kunden sind in der digitalen Welt zu Hause, haben hervorragende Uniabschlüsse und gründen Unternehmen, die technische Innovationen vorantreiben. Das digitale Zeitalter hat das Unternehmertum deshalb enorm verändert. Die jungen Unternehmer sind Digital Natives und verändern Branchen, da sie mit den neuen Medien aufgewachsen sind und diese nun auch automatisch in die Vermarktung ihres Unternehmens mit einbinden können. Bei meiner Arbeit mit jungen Gründern stelle ich immer wieder fest, dass die Arbeit – im Vergleich zu einem traditionell mittelständischen Unternehmen – ganz anders läuft. Wir teilen unsere Aufzeichnungen auf Dropbox, benutzen Google Drive und nutzen Emails als Hauptkommunikationsmittel. Der Hauptunterschied zu früher ist aber folgender: Wenn Sie früher ein Unternehmen gründen wollten, dann brauchten Sie ein Vermögen. Heute kann jeder nebenbei ein Unternehmen aufbauen. Sie können beispielsweise mit einem Ebay-Shop anfangen, Sie können eine Website betreiben und Produkte zunächst erst einmal online testen bevor sie auf den Markt kommen. Das digitale Zeitalter hat es jungen Unternehmern ermöglicht technologisch innovativ zu sein und die Welt zu verändern.

Haben Sie eine goldene Regel für das Gründen?
Pro-aktiv sein, die eigene Arbeit und die der Mitarbeiter wertschätzen und Gleichgesinnte suchen! Viele junge Unternehmer fühlen sich besonders in der Anfangszeit allein gelassen und können mit nur wenigen Menschen über ihre Erfahrungen sprechen. Da hilft es an Veranstaltungen, wie Diskussionen oder Netzwerktreffen, teilzunehmen und Kontakte zu knüpfen. Ein Mentor ist auch immer eine gute Idee, der einen besonders in der Anfangszeit berät und auf Dinge aufmerksam macht für die man in der stressigen Zeit keine Augen hat. Die wirklich erfolgreichen Unternehmer haben den Drang mehr zu lernen und besser zu werden. Ich glaube, dass ist ein grundlegendes Persönlichkeitsmerkmal, das einen Weltklasse werden lassen kann aber auch jeden Tag eine neue Herausforderung darstellt.