Mit welchen Problemen hatten Sie als junge Gründerin zu kämpfen?
Als ich mein erstes Unternehmen 2004 gründete, habe ich über anderthalb Jahre parallel weiterhin Vollzeit in meinem Job gearbeitet. Deshalb war ich nicht mit den Problemen konfrontiert, die junge Gründer haben, wenn sie sich ausschließlich auf ihr Unternehmen konzentrieren. Zudem hatte ich auch von Anfang an eine Finanzierung und einen Geschäftspartner, sodass ich nicht komplett allein die Verantwortung für das Unternehmen übernehmen musste. Ich bin einfach ein Macher und dachte, dass ich es unbedingt probieren sollte zu gründen. Es gab nicht einen Tag an dem ich gezweifelt habe und mir die Frage gestellt habe, ob ich es machen soll oder nicht. Natürlich reagiert die Familie am Anfang etwas kritisch. Ich habe einen Kredit von 250 000 Euro am Anfang aufgenommen und da haben meine Eltern gesagt: Wir unterstützen dich Kind aber bitte behalte erst einmal deinen Job.

Das digitale Zeitalter hat die weltweite Industrie enorm beeinflusst. Welche Auswirkungen können Sie bei jungen Unternehmern erkennen?
Ich werde mit den Veränderungen durch das digitale Zeitalter ständig konfrontiert, denn die meisten meiner Kunden sind in der digitalen Welt zu Hause, haben hervorragende Uniabschlüsse und gründen Unternehmen, die technische Innovationen vorantreiben. Das digitale Zeitalter hat das Unternehmertum deshalb enorm verändert. Die jungen Unternehmer sind Digital Natives und verändern Branchen, da sie mit den neuen Medien aufgewachsen sind und diese nun auch automatisch in die Vermarktung ihres Unternehmens mit einbinden können. Bei meiner Arbeit mit jungen Gründern stelle ich immer wieder fest, dass die Arbeit – im Vergleich zu einem traditionell mittelständischen Unternehmen – ganz anders läuft. Wir teilen unsere Aufzeichnungen auf Dropbox, benutzen Google Drive und nutzen Emails als Hauptkommunikationsmittel. Der Hauptunterschied zu früher ist aber folgender: Wenn Sie früher ein Unternehmen gründen wollten, dann brauchten Sie ein Vermögen. Heute kann jeder nebenbei ein Unternehmen aufbauen. Sie können beispielsweise mit einem Ebay-Shop anfangen, Sie können eine Website betreiben und Produkte zunächst erst einmal online testen bevor sie auf den Markt kommen. Das digitale Zeitalter hat es jungen Unternehmern ermöglicht technologisch innovativ zu sein und die Welt zu verändern.

Haben Sie eine goldene Regel für das Gründen?
Pro-aktiv sein, die eigene Arbeit und die der Mitarbeiter wertschätzen und Gleichgesinnte suchen! Viele junge Unternehmer fühlen sich besonders in der Anfangszeit allein gelassen und können mit nur wenigen Menschen über ihre Erfahrungen sprechen. Da hilft es an Veranstaltungen, wie Diskussionen oder Netzwerktreffen, teilzunehmen und Kontakte zu knüpfen. Ein Mentor ist auch immer eine gute Idee, der einen besonders in der Anfangszeit berät und auf Dinge aufmerksam macht für die man in der stressigen Zeit keine Augen hat. Die wirklich erfolgreichen Unternehmer haben den Drang mehr zu lernen und besser zu werden. Ich glaube, dass ist ein grundlegendes Persönlichkeitsmerkmal, das einen Weltklasse werden lassen kann aber auch jeden Tag eine neue Herausforderung darstellt.