Das Start-up baut eine Plattform, um Daten aus der Industrie zu vernetzen. Neu-Gesellschafter Francotyp-Postalia sucht dringend nach Erlösen aus der digitalen Welt. 

Alle Sensoren, alle Maschinen: Jegliche Daten, die in der Industrie anfallen, sollen ihren Platz in der Cloud-Lösung des Start-ups Juconn finden. Die Software will dann bei der Auswertung und Analyse der Daten helfen. Jetzt steigt das Traditionsunternehmen Francotyp-Postalia (FP), groß geworden mit dem Verkauf von Frankier- und Kuvertiermaschinen, als Minderheitsgesellschafter bei dem Start-up ein.

Das in der Nähe von München ansässige Start-up will dabei vor allem von den Schnittstellen profitieren, die FP im Angebot hat: „Aus unserer Sicht hat FP die technologisch führenden Gateways, die nahezu jedes handelsübliche Protokoll auslesen können“, sagt Juconn-Chef Sven Dunker. Nach eigenen Angaben arbeiten fest neun Mitarbeiter für das Start-up. Für die Kundenprojekte könne man jedoch auf bis zu 35 Entwickler zurückgreifen, heißt es von Juconn.

Laut einer Pressemitteilung hat sich die international aufgestellte Unternehmensgruppe FP mit Sitz in Berlin jetzt 15 Prozent an dem Start-up gesichert. Nach eigenen Angaben erfolgte der Einstieg zu einer Bewertung im zweistelligen Millionenbereich – FP investierte damit in jedem Fall einen niedrigen siebenstelligen Betrag in die Juconn-Anteile.

Zeichen stehen auf Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit könnte zudem auch noch ausgeweitet werden: FP hat sich die Option gesichert, die Beteiligung auf knapp über 25 Prozent zu erweitern – in vielen Gesellschafterverträgen ist bei so einem Wert bereits eine sogennante Sperrminorität erreicht, gegen die keine richtungsweisenden Entscheidungen getroffen werden können.

Gerade in der Industrie steigt die Neugier von Unternehmen, sich Anteile an Start-ups zu sichern. Das geschieht unter anderem, um einen besseren Einblick in Themen zu erhalten, die in Zukunft das Kerngeschäft ergänzen oder auch bedrohen könnten. Der Technologiekonzern Körber investierte so beispielsweise in den 3D-Drucker-Hersteller BigRep oder die Datenplattform Connyun. Automobilhersteller Brose stieg beim 3D-Drucker-Hersteller Aim3D ein.

Und IT-Dienstleister Adesso übernahm im vergangenen Jahr die Mehrheit bei einer Plattform für den Austausch von Gerätedaten, die sich an den Maschinenbau richtet. Die Digitalisierungsziele der mehr als 95 Jahre alten FP sind ehrgeizig: Bis 2020 will man einen Umsatz von 30 Millionen Euro aus neuen, digitalen Geschäftsmodellen erreichen. Juconn soll dabei auch als Scout für weitere interessante Digitalunternehmen dienen: Das Start-up öffnet nach eigenen Angaben seine Plattform auch für weitere Start-ups im Tausch gegen Anteile – und fungiert so im kleinen Rahmen als Inkubator.