Das Berliner Vergleichsportal Joonko erhält prominente Starthilfe für seinen Angriff auf dem Versicherungsmarkt. Investor Raisin verfolgt eigene strategische Ziele.

Rund um den Vergleich von Versicherungen und Geldanlage-Produkten bildet sich eine Allianz aus zwei deutschen Fintechs und dem chinesischen Versicherungskonzern Ping An: Mit zehn Millionen Euro unterstützen das Finanzportal Raisin hinter der Marke „Weltsparen“ und der Global Voyager Fund von Ping An den Start des Berliner Fintechs Joonko. Die 2019 gegründete Firma aus der Fintech-Schmiede Finleap will im Herbst ein Vergleichsangebot für Kfz-Versicherungen auf den Markt bringen.

Joonko richtet sich an Verbraucher, die zur Wechselsaison am Jahresende nach einer günstigeren Kfz-Versicherung suchen. „Wir zielen darauf ab, Verbrauchern das passende Finanzprodukt zur Verfügung zu stellen“, lässt sich Mitgründer und Technologie-Chef Eric Lange laut einer Medieninformation zitieren. Bislang können sich Interessierte lediglich vorab registrieren.

Strategische Ziele der Investoren

Mit dem Angebot drängt das Fintech in das Geschäftsfeld von Branchengrößen wie Check24 und Verivox. Geschäftsführerin und Gründerin Carolin Gabor setzt dabei auf die „strategische Expertise“ der Investoren sowie deren technisches Know-how. „Wir freuen uns sehr, mit Ping An und Raisin zwei Partner gefunden zu haben, die über eigene exzellente Finanztechnologien verfügen“, kommentiert sie die Seed-Finanzierungsrunde laut Pressemitteilung. Das Team aus derzeit 30 Mitarbeitern soll bis Ende des Jahres auf etwa 50 Personen wachsen.

Für das Anleger-Portal Raisin stehen bei der Beteiligung nicht nur finanzielle, sondern vor allem strategische Gründe im Vordergrund: Das Fintech wirbt in Deutschland um Verbraucher, die ihre Ersparnisse angesichts der aktuellen Niedrigzinsen über das Portal optimieren wollen – so vertreibt Raisin etwa Tages- und Festgeld-Produkte sowie sogenannte ETF-Sparpläne verschiedener europäischer Anbieter. Erzrivale Deposit Solutions aus Hamburg kooperiert nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ mit dem Vergleichsportal Check24, das ein eigenes Geldanlage-Center für Verbraucher betreibt. Raisin sichert sich nun den Zugang zu einem ähnlichen Angebot des Company Builders Finleap. „Wir sehen großen Wert in der Kooperation von Fintechs mit etablierten Finanzdienstleistern“, lässt sich CEO Tamaz Georgadze in einer Pressemitteilung zitieren.

Tech-Know-how aus China

Das chinesische Versicherungsunternehmen Ping An kündigte über seinen Global Voyager Fund zudem technologische Unterstützung an. Die Investmentgesellschaft wurde nach Unternehmensangaben zum Start mit einer Milliarde US-Dollar ausgestattet. Aus dem Topf flossen im vergangenen Jahr bereits Gelder an Finleap, im Rahmen einer Finanzierungsrunde in Höhe von 41,5 Millionen Euro. Seitdem beteiligt sich der chinesische Investor auch an der Entwicklung des Finleap-Portfolio-Unternehmens Joonko. Die Fintech-Schmiede setzt inzwischen verstärkt darauf, Geschäftskunden verschiedene Softwarelösungen aus einer Hand anzubieten – dafür gibt sich Finleap eine neue Struktur, wie vor wenigen Wochen bekannt wurde.

Mit dem Investment in ein deutsches Fintech geht auch Raisin neue Wege. Bisher machte das 2014 gegründete Unternehmen mit Zukäufen auf sich aufmerksam – so übernahm Raisin Anfang des Jahres die Frankfurter MHB-Bank von einem US-Finanzinvestor sowie Ende August das auf Altersvorsorge-Produkte spezialisierte Start-up Fairr.