Das Berliner Start-up Jonny Fresh übernimmt das Deutschlandgeschäft von Rivale Zipjet. Ziel ist eine höhere Effizienz in der Logistik.

Um auf dem deutschsprachigen Markt schnell wachsen zu können, kauft der Berliner Wäsche-Lieferdienst Jonny Fresh seit Jahren kräftig zu: 2016 traf es den Münchener Konkurrenten WashNow, Anfang des Jahres dann Call For Clean, ebenfalls aus der bayerischen Landeshauptstadt. Nun sichert sich die junge Firma das Deutschlandgeschäft des Berliner Lokalrivalen Zipjet, wie das Unternehmen heute mitteilte. Zipjet gab bereits am Montag auf der Webseite bekannt, dass der Betrieb in der Hauptstadt eingestellt wurde. Kunden werde empfohlen, sich bei Jonny Fresh zu registrieren, heißt es in der Mitteilung.

Mit der Übernahme sichert sich das 2013 gegründete Wäsche-Start-up einerseits den Zugang zu neuen Privatkunden auf dem deutschsprachigen Markt. Andererseits teilen sich die Konkurrenten damit zumindest vorerst geografisch auf: Zipjet, mit Anschub des Company-Builders Rocket Internet gestartet, habe sich entschieden, den deutschen Markt zu verlassen, sagte Jonny-Fresh-Geschäftsführer Stefan Michaelis zu WirtschaftsWoche Gründer. Zum Kaufpreis machte er keine Angaben. Die Übernahme der Landesgesellschaft sei im Einvernehmen mit dem damaligen Zipjet-CEO Lorenzo Franzi vereinbart worden, so Michaelis.

„Der Markt wird sich unserer Meinung nach in Europa in den kommenden Jahren immer weiter konsolidieren. Deshalb haben wir uns über mehrere Monate intensiv mit Zipjet darüber unterhalten, wie ein europäisches Szenario aussehen könnte“, sagte der 36-jährige Mitgründer des Start-ups. Es ergebe keinen Sinn, dass mehrere Marktteilnehmer in den einzelnen Ländern parallel an Lösungen arbeiteten, so Michaelis weiter zu den Hintergründen des Zukaufs.

Fokus auf Software zur Routenplanung

Stattdessen könne ein großer Player in Europa davon profitieren, Effizienzen in der Logistik zu heben. Im Fall des Berliner Unternehmen funktioniert das so: Jonny Fresh wirbt mit kostenloser Abholung und Lieferung der Wäsche bei Privatkunden zu Hause oder im Büro. Für die Textilwäsche und Reinigung arbeitet das Start-up ausschließlich mit Partner-Betrieben zusammen, die ihre internen Lieferungen an eigene Standorte zu bestimmten Zeiten besser auslasten wollen. Neben der Vermittlung von Aufträgen kümmert sich Jonny Fresh zudem um die Optimierung der Routen auf dem Weg zum Endkunden – per selbstentwickelter Software.

Je dichter das Kundennetz in einer Gegend, umso besser lassen sich Fahrtwege intelligent abstimmen und dadurch Kosten sparen. Eine Herausforderung sind ähnlich wie im Paketgeschäft von DHL die letzten Meter zum Empfänger der Sendung. Um sicherzustellen, dass die Wäsche-Lieferung ihr Ziel auch zur passenden Zeit erreicht, experimentiert das Start-up deshalb mit alternativen Zustellwegen: Mit Volkswagen testet Jonny Fresh in einem neuen Pilotprojekt die Lieferung in den Kofferraum. Die Vorteile: Kunden müssen nicht mehr vor Ort sein, wenn die Wäsche ankommt, sondern ermöglichen dem Zusteller mittels einer Software den Zugang zum Auto. Zudem ist das Zeitfenster für die Lieferung breiter, was die Routenplanung flexibler macht.

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Insgesagt ist das Angebot derzeit in 14 Städten verfügbar. In der Regel sucht sich Jonny Fresh eine Großwäscherei pro Stadt, in Hamburg und Wien arbeitet der Lieferdienst mit je zwei Betrieben. Das Start-up selbst beschäftigt 35 Mitarbeiter, Fahrer und Personal für die Reinigung der Wäsche sind jeweils bei den Partnerunternehmen angestellt. Rund 35.000 Privatkunden zählt Jonny Fresh nach der Übernahme des Rivalen Zipjet. Das Geschäft mit den 1.000 Unternehmenskunden macht nach Firmenangeben derzeit 40 Prozent der Umsätze aus. Weitere 50 große Unternehmen nutzten den Wäsche-Lieferservice ins Büro für ihre Mitarbeiter.

Den Zukauf von Zipjet stemmt Jonny Fresh aus Mitteln einer erst vor drei Monaten abgeschlossenen Finanzierungsrunde in Millionenhöhe. Welcher Betrag genau in die Firma floss, verrät Jonny-Fresh-Geschäftsführer Michaelis zwar nicht. Klar ist jedoch, dass das Start-up finanzkräftige Geldgeber hinter sich hat: Im vergangenen Jahr stieg der strategische Investor CWS-boco ein, der das B2B-Geschäft der jungen Firma stärken sollte. Die deutsche international tätige Textilwäscherei ist ein Ableger des Duisburger Haniel-Konzerns. Zu den Kapitalgebern des Berliner Lieferdienstes gehören zudem Lightfield Equity sowie die Beteiligungsgesellschaft Engelhardt Kaupp Kiefer.

Britische Laundrapp im Hintergrund

Das Rocket-Internet-Unternehmen Zipjet war im Vorfeld der Übernahme durch Jonny Fresh bereits mit dem britischen Wettbewerber Laundrapp verschmolzen. Die Fusion der beiden Firmen unter einer Luxemburger Holding wurde erst im März des laufenden Jahres bekannt. Nur die deutsche Gesellschaft geht nun an Jonny Fresh, Funktionen wie Vertrieb und Marketing steuert Laundrapp längst übergreifend von London aus.

Zur Zukunft des Zipjet-Teams in Deutschland macht Jonny-Fresh-Gründer Michaelis zurückhaltende Angaben: „Wir versuchen so viele Fahrer und Support-Mitarbeiter zu übernehmen wie möglich – die Entscheidung obliegt letztlich den Mitarbeitern“, sagte Michaelis zu WirtschaftsWoche Gründer. Zipjet selbst hatte in den vergangenen Jahren ebenfalls Wettbewerber zugekauft und kräftig Kapital eingesammelt. Zu den Investoren zählen der Konsumgüterkonzern Henkel sowie der Haushaltsgerätehersteller BSH Home Appliances Group.