Joko Winterscheidt ist GoButler eingestiegen. Im Interview spricht er über den Reiz einer Pizza-Bestellung und seine Rolle bei GoButler.

Joko Winterscheidt kennt man meist nur im Doppelpack mit seinem Partner Klaas Heufer-Umlauf. Joko & Klaas werden gern als Retter des Fernsehens tituliert, derzeit  moderieren sie auf ProSieben “Circus Halli Galli”. Ganz ohne Klaas ist Winterscheidt beim im März gestarteten Start-up GoButler eingestiegen. Der Dienst von ehemaligen Rocket-Internet-Managern verspricht Rundum-Service per SMS.

Was haben Sie selbst von GoButler für sich erledigen lassen?

Neulich habe ich mir mal eine Massage gegönnt und den Masseur ins Hotel kommen lassen, wo es diesen Service nicht gab. Ansonsten bin ich zu Hause ein relativ fauler Mensch, daher bestelle ich oft Essen. Und wenn ich erst den Laptop von unten holen muss, ist eine SMS schneller getippt. Oder neulich hab ich mit zwei Jungs Fußball geguckt, wir hatten Hunger haben gefragt, wer was will und einfach per SMS Pizza und einen Träger Bier bestellt. Letztens habe ich spontan einen Flug nach München gebraucht, auch das war mit einer SMS erledigt.

Aber Pizza kann man auch schnell per Smartphone-App bestellen. Wo ist der Vorteil?

Es ist nicht so mechanisch, sondern ein persönliches Ding, wenn man an der anderen Seite eine Person hat, die sich kümmert. Das gönnt man sich dann mal, das hat was von Wellness per SMS. Außerdem geht es auch gegenüber Smartphone-Apps deutlich schneller, wenn ich in meiner eigenen Sprache kommunizieren kann.

Und Ihre Einkäufe lassen Sie auch via GoButler erledigen?

Nein, dafür liebe ich das Einkaufen zu sehr. Ich bin ein Supermarktfreak.

Aber Sie glauben, es gibt bei genug Menschen mit dem Bedürfnis, sich Einkäufe oder das Pizza Bestellen abnehmen zu lassen?

Ja, absolut. Unsere stetig steigenden Nutzerzahlen geben uns Recht. Dinge einfach per SMS zu klären, macht es so einzigartig. Und man spart sich die Zeit für etwas Sinnvolleres.

Dafür muss man im Zweifel mehr bezahlen. Fürchten Sie nicht die Geiz-ist- Geil-Mentalität? Die Deutschen vergleichen doch lieber Angebote im Netz um ein paar Euro zu sparen.

Klar, ich gucke privat bei Urlaubsreisen auch, wo ich sparen kann. Da ist die Zielgruppe sicher begrenzt. Aber wir reden ja nicht darüber, dass jeder seinen Urlaub von uns buchen lässt, wobei es das auch schon gegeben hat. Aber bei so etwas, wie Pizza geht es nicht um ein paar Cent. Außerdem ist es schlussendlich bei uns nicht teurer.

Wieso, was kostet denn der Komfort?

Anfangs haben wir zehn Prozent auf die Bestellungen aufgeschlagen. Inzwischen ist der Service aber umsonst, wir erhalten dafür eine Provision von den Anbietern die wir nutzen, beispielsweise den Pizzalieferdiensten oder Reisebuchungsplattformen. Wenn etwas nicht so einfach zu liefern ist und zusätzliche Kosten beispielsweise für Kuriere anfallen, berechnen wir diese natürlich. Das wird aber vorher transparent kommuniziert und geklärt.

Wie oft gibt es Anfragen, die GoButler nicht erledigen kann?

Es gibt natürlich die absurdesten Anfragen, die erzählt man sich dann am Abend. Jemand wollte beispielsweise, dass wir mit seiner Freundin Schluss machen, dem haben wir stattdessen eine Benimmschule empfohlen. Dann gibt es Leute, die gewisse Services für zu Hause wünschen, das machen wir auch nicht.

Um alle legalen Tätigkeiten kümmern wir uns. Dabei ist es immer auch ein Spaß und eine kleine Herausforderung auch absurde Anfragen zur Zufriedenheit zu erledigen. Wobei die Absurditäten deutlich weniger werden und der Großteil der Anfragen mit alltäglichen Dingen zu tun hat.

Sie sind viel beschäftigt, da liegt es nahe, sich Dinge abnehmen zu lassen. Aber wieviel Zeit haben sie da überhaupt, sich noch mit um ein Start-up zu kümmern?

Mehr als man denkt, wobei es oft auch mal bis früh in die Nacht geht. Gerade war ich noch bei den Jungs, die sagten, sie hätten selbst nicht gedacht, dass ich so viel Zeit habe.

Was machen Sie bei GoButler konkret?

Wir sitzen viel zusammen und reden über den Dienst. Aber ich bin nicht derjenige, der sagt als nächstes sollten wir Südamerika ausrollen. Ich bin dafür zuständig, die Außenwirkung voranzutreiben. Ich kann GoButler bei Stefan Raab vorstellen oder mal was bei Facebook oder Twitter raushauen. Und dass ich mal mit der WirtschaftsWoche rede, hätte ich vorher auch nicht gedacht.

Und Sie sind daran beteiligt. Investieren Sie in Start-ups, weil man derzeit für sein Geld kaum Zinsen bekommt.

Klar spielt das eine Rolle. Auf der Bank gibt es ein paar Prozente, bei einem Start-up ist der Prozentsatz ein anderer, wenn es funktioniert. Aber man geht ja auch ein Risiko ein, das Geld kann auch weg sein. Deswegen ist das Wichtigste, das man sein sauer verdientes Geld in eine Idee investiert, an die andere Leute und man selbst glauben.

Hatten Sie schon länger überlegt, bei Start-ups einzusteigen?

Klaas und ich haben mit Endemol eine Produktionsfirma für alle unsere TV-Projekte gegründet. 2009 habe ich mit Matthias Schweighöfer German Garmet gegründet, ein kleines Modelabel wo es darum geht, nachhaltig zu produzieren. Die Unternehmung Unternehmen liegt mir also nicht fern. Es gibt auch noch zwei andere Geschichten, über die ich jetzt noch nicht zu viel erzählen mag.

Weil die so gut laufen, dass sie Ihre PR nicht nötig haben?

Nein, die sind noch in der Entwicklung. Das eine ist im App-Bereich. An der Sache doktern wir auch schon seit zwei Jahren herum. Die Idee ist da, aber die Umsetzung hat noch nicht funktioniert, das ist technisch etwas schwieriger und komplexer. Manchmal verliert man dann auch den Glauben daran. Es kann sein, dass wir irgendwann sagen, das war es oder in drei Jahren freuen wir uns, dass wir den Faden nicht verloren haben.

Und die andere Sache?

Das ist ähnlich. Aber ich habe jetzt bei GoButler und den anderen Investoren tolle Leute kennengelernt für die Ideen, die man so in sich trägt. Erstmal kümmern wir uns um GoButler, aber ich habe kein Problem in Zukunft mit den Herrschaften vielleicht noch was anderes zu machen.

Das wird dann also eher was für kommendes Jahr?

Ja, aber man soll ja niemals nie sagen. Bei GoButler ging es auch ganz schnell, es lagen effektiv vier Tage zwischen der Anfrage ob ich ein bisschen Social-Media-Support geben kann und der Entscheidung das zusammen zu machen. Das kann wieder passieren. Mir macht es einen Riesenspaß sich zu überlegen, was man noch so machen kann, ob dann was draus wird ist zweitrangig.