Start-ups sind als Arbeitgeber attraktiv – und suchen oft motivierte Mitarbeiter. Wie findet der Bewerber heraus, welches das richtige Start-up ist?

Von Johanna Küppers

Viele haben die Möglichkeit und auch die Fähigkeit selbst zu gründen, doch das möchte nicht jeder. Als Mitarbeiter in einem Start-up beschäftigt zu sein, bringt vor allem den Vorteil der Unabhängigkeit. Trotzdem sollte der Mitarbeiter sich mit dem Produkt oder der Dienstleistung des Start-ups identifizieren können. Doch wie findet ein Bewerber das passende Start-up?

Da die Auswahl von Start-ups groß und unübersichtlich ist, ist zunächst eine grundsätzliche Einschätzung der eigenen Person wichtig. Wer einen Überblick bekommen möchte, sollte Freunde und Familie fragen, wann sie einen am Glücklichsten oder am Produktivsten erleben. So könne der Suchbereich eingegrenzt werden, sagt Gründungsberater Marcel Kaffenberger von Gründerpilot.

Unterforderung versus Überforderung

Wichtig ist die Motivation: Welche Ziele verfolgt der Bewerber? Ist der Bewerber auf den schnellen wirtschaftlichen Erfolg aus, lohnt sich ein börsenorientiertes Start-up. Wenn es primär um den Lernerfolgt geht, sind jüngere Start-ups zu empfehlen. „Jeden Tag muss das Unmögliche geschafft werden“, sagt Kaffenberger. Deshalb sei eine zweite Voraussetzung: Nie völlig fremd vom Fach sein. Flache Hierarchien, haben die Folge, dass Aufgabenbereiche sich schnell ausweiten und damit auf den Mitarbeiter mehr Verantwortung zukommt.

In diesem Fall, muss der Mitarbeiter in der Lage sein, solide Entscheidungen treffen zu können. „Sonst wird er nicht glücklich“, sagt Kaffenberger. „Es gibt zwei unangenehme Situationen: Überforderung und Unterforderung. Gegen Überforderung können vorbeugend klare Absprachen helfen; zum Beispiel indem man festlegt, ob es einen Einarbeitungszeitraum gibt.“ Der Bewerber muss sich im Vorhinein darüber bewusst sein, wie schnell er welche Leistung bringen kann.

Für Benjamin Geese war es genau die richtige Entscheidung, sich bei einem Start-up zu bewerben. Bei ihm verlief der Einstieg schrittweise: Am Anfang bekam er einen einzelnen, kleineren Auftrag, danach wurden es mehr. Der Informatiker begegnete seinen Arbeitgebern das erste Mal im Rostocker E-Werk, alle haben sich von Anfang an gut verstanden. Ein zentraler Punkt, denn die Zusammenarbeit im Team ist besonders wichtig und war auch für Geese von Anfang an relevant. Besonders spannend findet er, die Schnittstellen, an denen sich verschiedene Fachbereiche überschneiden. So könne er auch immer etwas, über sein Aufgabengebiet hinaus, lernen.

Geese hat nach seinem neuen Auftraggeber im Internet gesucht. „Ich empfehle aber jedem, möglichst viele Veranstaltungen, wie Start-up Weekends oder Pitches, zu besuchen. Dort lernt man Leute kennen und kann ausprobieren, ob es passt“, sagt er. Für den Rostocker stand schnell fest, dass er in einem Start-up arbeiten will. Er hat Spaß an schnellen Resultaten, direktem Feedback von Kunden und kann sich mit dem Produkt identifizieren. Einen Plan B, neben Fahrradjäger, hat er nicht. Er sei optimistisch gestimmt, was sein finanzielles Überleben anginge. Mit einem Informatik Studium und Arbeitspraxis, ließe sich bestimmt immer wieder etwas finden.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Die Suche nach dem passenden Start-up, wurde, für Geese, sicherlich dadurch vereinfacht, dass er nicht viel Wert auf Sicherheit und das große Geld legt. Wer sich bei einem Start-up bewirbt, kann beides nicht erwarten. Zudem kann das Risiko, welches Start-ups mit sich bringen, nie ausgeblendet werden. Gründungsberater Andreas Herzog sagt: „Start-ups wachsen und verändern sich kontinuierlich. Deshalb kann nie eine genaue Prognose gefällt werden.“

Gleichzeitig ermutigt der Experte von Start-up consulting aber, solche Fragen im Vorstellungsgespräch zu thematisieren. „Es darf explizit nachgefragt werden, wie die Gründer vorhaben, ihren Umsatz zu steigern, und wie die nächsten Schritte aussehen sollen“, sagt er. Diese Offenheit sei ein großer Pluspunkt in der Start-up Branche.

Menschen, die unsicher sind, empfiehlt Herzog ein Praktikum zu machen oder die Probezeit zu nutzen und ehrlich zu sich selbst zu sein. So kann schnell herausgefunden werden, ob es passt oder nicht. Außerdem sollte sich der Bewerber zuerst in Branchen umschauen, zu denen er einen persönlichen Bezug hat. „Das Schreiben eines Blogs, das regelmäßige Lesen einer Zeitschrift oder das private Interesse allein, kann schon ausschlaggebend sein“, sagt Herzog. Eine Identifikation mit dem Start-up sei sehr wichtig.

Zuletzt gilt: Keine Angst vor dem Scheitern haben. Die Zeit, die im Start-up verbracht wird, fassen neue Arbeitgeber meist positiv auf. Es beweist, dass der Mitarbeiter unternehmerische Erfahrung sammeln konnte und Prozesse kennengelernt hat. Auch ein Branchenwechsel, ist nicht ausgeschlossen. Und bei ausreichender Kompetenz, wird es kein Problem sein, in einem anderen Unternehmen, einen neuen Job zu finden.