Wie unterscheiden sich die Führungsqualitäten als Gründer im Vergleich zum angestellten Manager?
In einem Konzern sind Sie als Führungskraft bedeutend, wenn Sie viel machen. Wenn Sie also viel Macht an sich binden – egal, ob im Hinblick auf Geld, Mitarbeiter oder Fachbereiche – und viele Leute von sich abhängig machen. Dann sind Sie eine gute Führungskraft. Als Unternehmer ist es genau andersherum: Sie sind ein guter Gründer, wenn Sie viel Macht an Ihre Mitarbeiter abgeben – mit klar abgesteckten Verantwortungsbereichen und Erfolgsmessungen. Das habe ich in meinem Unternehmen Veganz auch gemacht. Deswegen fördern wir eine gesunde Fehlerkultur: Ich möchte die Angestellten dazu erziehen, dass Fehler passieren und es das nächste Mal besser läuft. Dieses Vertrauen in die Mitarbeiter fördert eine innovative Kultur, die uns schnell voranbringt.

Heute sind Sie Herr über zehn Supermärkte. Das klingt nicht gerade nach einem entspannten Leben.
Ich bin weit weg vom Burn-out obwohl ich jeden Tag 14, 15 Stunden unterwegs bin, fast gar nicht schlafe und kaum Kontakt zu meinen Kindern habe. Das liegt auch daran, dass wir momentan sehr viel positive Resonanz ernten.

Was empfehlen Sie heute anderen Menschen, wenn Sie über Burn-out und Prävention sprechen?
Das klingt nach einer abgedroschenen Phrase, es ist aber tatsächlich schwer umzusetzen: Tue das, was du gerne machst und was dir guttut.

Früher sind Sie teure Sportwagen gefahren, haben Wochenendtrips nach New York gemacht. Vermissen Sie das manchmal?
In der Wandlungsphase wollte ich meinen gesamten Luxus loswerden und bin nur noch Rad oder U-Bahn gefahren. Ich bin ein ziemlicher Extremist: Wenn ich etwas mache, dann richtig. Wenn ich mich auf einen Triathlon vorbereite, dann kaufe ich mir die besten Räder, die besten Zeitmesser, die besten Neoprenanzüge. Mittlerweile habe ich mich aber wieder normalisiert, materielle Dinge sind mir nicht mehr so wichtig. Wobei ich immer noch Mercedes fahre. Die Autoleidenschaft ist also geblieben. n