Wie finanzieren Sie die Verluste?
Durch private Investoren. Wir sind auch gerade wieder in einer Finanzierungsrunde für unsere Expansion. Wir verhandeln mittlerweile mit Finanzinvestoren und Fonds. Früher musste ich den Leuten hinterherrennen, heute melden sie sich von alleine.

Und Sie könnten sich einen Börsengang vorstellen?
Absolut. Aber diese Entscheidung hängt davon ab, ob die Planung, die wir mit den Kunden gemacht haben, tatsächlich so funktioniert. Ich würde den Börsengang für 2018 bis 2020 prognostizieren.

Wie kommt es denn bei den Kunden an, wenn man sich als vegane Marke in andere Supermärkte stellt?
Eigentlich super. Schlimm war nur der Buttersäure-Anschlag neulich. Das war schon ein Hardcore-Angriff, vor allem, weil man auf den Videos sehen konnte, dass da Menschen rumgelaufen sind und jeder weiß, dass Buttersäure kein Kavaliersdelikt ist. Aber so etwas kommt vor.

Am Anfang wurden Sie ausgelacht, haben aber trotzdem weitergemacht. Warum?
Ich bin ein Verkäufer, nur meine Zielgruppe hat sich geändert. Früher habe ich mit dem Vorstand geredet, um meine Ideen zu präsentieren, heute mit Kunden und Lieferanten. Wenn man von einer Idee selbst überzeugt ist, stellt sich die Frage des Aufhörens gar nicht.

Wie haben Ihre ehemaligen Kollegen reagiert?
Als ich meinen ersten Laden eröffnet habe, sind einige Exkollegen gekommen und haben sich die Bäuche vor Lachen gehalten, dass ich an der Kasse stand und Tofu verkauft habe.

Hat Sie das getroffen?
Nein. Ich fand die Bemerkungen unpassend, war aber so zu mit Arbeit und meinen Visionen, dass mich das nicht so berührt hat. Inzwischen gibt es sehr viel Anerkennung.

Worauf führen Sie den Erfolg zurück?
Mein Lebensmotto lautet: Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. Ich bin ein Fan davon, Dinge zu wagen da geht viel schief, man zahlt Lehrgeld. Aber wenn nur eines davon funktioniert, dann hat man etwas, das vorher kein anderer gemacht hat. Und hat so eine gute Basis für den Erfolg gelegt.

Inwieweit hilft Ihnen Ihre Erfahrung als Manager bei Daimler heute?
Die hilft total auch wenn wir mit großen Firmen anbandeln. Ich durchschaue Machtverhältnisse sehr schnell und kann das mit einer gewissen Gelassenheit und Professionalität angehen. Ich weiß genau, welche Knöpfe ich drücken muss. Wann gehe ich zum Vorstand und wann kann ich es mit der Arbeitsebene klären? Dieses Spiel beherrsche ich perfekt. Natürlich hilft ein Grundverständnis von Betriebswirtschaft. Das Wichtigste ist: Ich kann Menschen von meinen Ideen begeistern. Das hat schon bei Daimler gut funktioniert.