Zwei Pässe, kein Visum

Allein die Schätzungen, wie viele Israelis in Berlin leben – geschweige denn gründen – gehen sehr weit auseinander. Laut des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg sind es nicht einmal 4000. Dies liegt aber auch daran, dass viele Israelis zwei Pässe haben und deshalb in Deutschland oft kein Visum brauchen, so dass die Zahl wahrscheinlich sehr viel höher liegt.

Auch Netta Emanuel besitzt zwei Pässe. Die 36-Jährige ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, ihre Mutter ist Israelin und ihr Vater Deutscher. Sie spricht Hebräisch und Deutsch als Muttersprache und hat in mehreren Städten in Europa im Bereich Online-Gaming und Entertainment gearbeitet. „Dann wollte ich etwas eigenes Gründen“, sagt Emanuel.

Wohnungen und Lebensmittel sind zu teuer in Tel Aviv

Sie hatte anfangs überlegt, nach Tel Aviv zu gehen. Dort hatte sie auch schon einige Bewerbungsgespräche. „In Tel Aviv muss man aber viel mehr verdienen, um den gleichen Lebensstandard zu erreichen, als in Berlin“, sagt Emanuel. Eine eigene Wohnung könne man sich kaum leisten, die Lebensmittelpreise seien sehr hoch. In Deutschland hatte sie zudem ein besseres Netzwerk und auch die besseren Angebote.

Mittlerweile arbeitet sie mit zwei Mitgründern in Hamburg und Berlin an ihrem Start-up Bettertain. Das Portal soll Nutzern helfen, das richtige Entertainment für sich zu finden: Dafür legt der Nutzer ein Profil an und die Plattform analysiert die Vorlieben und das Nutzerverhalten: Auf dieser Grundlage erhalten die Nutzer dann Empfehlungen für Filme oder Computerspiele. In zwei Monaten soll ihre Plattform live gehen. Emanuel ist zuversichtlich. Kein Wunder, denn sie ist schließlich beides: Ein bisschen Baseballspieler, ein bisschen Ballett.