Amar hat das Start-up in Israel gegründet, ist nun aber auch in Deutschland aktiv. „Deutschland ist wahrscheinlich das am weiteste entwickelte Land im Bezug auf Zugang, Umgang, Verwaltung und Schutz von Daten“, sagt Amar. „Für uns ist Deutschland deshalb ein wichtiger Markt.“ Rund 240.000 der zwei Millionen Nutzer weltweit stammen aus Deutschland. Tel Aviv und Berlin seien zwar beides zwei gute Orte, um zu gründen. „Deutschland ist aber zudem als Unternehmensstandort wichtig, wenn man sich auf dem europäischen Markt etablieren will“, sagt Amar.

Nur Englisch sprechen: Kein Problem in Berlin

Ähnlich sieht das Eran Aloni. Der Israeli hat 2013 sein mittlerweile viertes Start-up gegründet und lebt seit einem Jahr mit seiner Familie in Berlin. Timestwentyfive hilft Unternehmen bei der Visualisierung von großen Datenmengen. „Viele Unternehmen in Europa arbeiten lieber mit einem Unternehmen, das auch in Europa sitzt und unter europäischem Recht agiert“, sagt Aloni. Israel sei ein zu kleiner Markt, um sich ausschließlich auf ihn zu konzentrieren. Zudem sei Timestwentyfive im B2B-Geschäft. „Dabei überzeugt man seine Kunden häufig nur vor Ort.“ Dass dabei keiner seiner Mitgründer – einer aus Finnland und einer aus den USA – Deutsch spricht, sei kein Problem. „Wir arbeiten fast ausschließlich mit großen Unternehmen aus Deutschland zusammen“, sagt Aloni. Dort sei es kein Problem, nur Englisch sprechen zu können.

Überraschend sei für ihn allerdings am Anfang das Tempo dieser großen Firmen gewesen. „Deutsche Unternehmen sind konservativer und langsamer in ihrer Reaktion als in Israel“, sagt Aloni. Ein Unternehmen gleicher Größe brauche in Deutschland häufig doppelt so lang für Entscheidungen. „Aber wenn man sich an ihr Tempo gewöhnt hat und man Geduld mitbringt, kann man gute Geschäfte machen.“ Seinen wichtigsten Kunden hat das Unternehmen in Berlin mittlerweile mit Cisco. Ende dieses Jahres wollen sie schwarze Zahlen schreiben.

Ein Problem für den Gründer aus Tel Aviv: Gute Arbeitskräfte. Da die Lebenshaltungskosten niedrig sind, sei die Motivation hart zu arbeiten auch nicht so hoch, sagt Aloni. In einem Gespräch habe ihm eine Bewerberin beispielsweise einmal gesagt, sie suche einen Job, wo sie nur drei Tage arbeiten müsse, an den anderen Tagen würde sie gerne Gitarre spielen. „In Berlin gibt es eine Lean-back-Haltung, die ich aus Tel Aviv und dem Silicon Valley nicht kenne“, sagt Aloni.