Ein enges Netzwerk in der Start-up-Hauptstadt – aber ein mühsames Ringen um öffentliche Auftraggeber. Ono berichtet aus dem Ökosystem in Berlin.

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge erzählen Start-ups, die sich in den über das ganze Land verteilten Digital Hubs engagieren, aus ihrem Ökosystem. Heute berichtet Beres Seelbach von Ono. Das Start-up produziert ein Elektro-Lastenrad für den Einsatz in der City-Logistik. Das junge Unternehmen ist Teil des IoT Hubs in Berlin – im Fokus stehen dort Projekte rund um das sogenannte Internet der Dinge.

Ihr seid Teil des IoT Hubs Berlin. Warum?
Der größte Vorteil ist das Netzwerken. Man trifft dort auf Gleichgesinnte Start-ups, aber auch auch auf Corporates, potenzielle Kunden und mögliche Kooperationspartner. Vor Corona lief das noch viel über Events, jetzt ist es eher die persönliche Empfehlung. Oder man hat eine ganz konkrete Frage, die man ins Netzwerk hineingibt, über Slack oder den klassischen Mail-Verteiler.

Was gefällt euch am Ökosystem vor Ort? Was sind die Stärken der Region?
In Berlin sind in die Kosten im Vergleich zu München, Hamburg oder Stuttgart noch immer Rahmen, seien es die Gehälter oder die Büromieten. Dadurch ist die Hürde, hier zu gründen, geringer. Der zweite Punkt ist das Mindset der Leute. In München wird oft nach der Festanstellung bei BMW oder Siemens gestrebt. Hier wollen die Leute öfter ihr eigenes Ding machen.

Woran mangelt es noch – und warum?
Eine erste Finanzierung zu finden, ist relativ leicht für Start-ups. Bei der Anschlussfinanzierung, wenn es um 10 Millionen oder mehr geht, hat man immer noch den Eindruck, dass das in Amerika oder Großbritannien einfacher ist. Was mir außerdem in Deutschland manchmal fehlt, ist der Wille und der Wunsch, wirklich große Unternehmen aufzubauen. Die Gründerszene ist sehr stark davon geprägt, schnell zu skalieren und zu verkaufen. Der Glaube, dass wir ein zweites VW oder SAP aufbauen können, fehlt mir manchmal, sowohl bei den Gründern, als auch bei Investoren und Politik.

Was konntet ihr von anderen Gründern im Hub lernen?
Man kann sich besonders beim Thema Geschäftsmodell gegenseitig befruchten. Geschäftsmodelle kann man im Austausch mit anderen Gründern gut challengen und reflektieren. Abends in der Bar mit Freunden geht das nicht so gut. Außerdem hilft natürlich das Teilen von Erfahrungen und Kontakten bei Finanzierungsrunden.

Wie leicht findet ihr in eurer Region Mitarbeiter?
In manchen Bereichen geht es sehr gut, zum Beispiel im Marketing oder Ingenieurswesen. Da hilft uns auch unsere Story als Start-up. Andere Bereiche sind deutlich schwieriger, bei uns vor allem Finanzen und Buchhaltung, also die klassischeren Jobs.

Und wie steht es in eurem Ökosystem um den Zugang zu Kapital?
Anfang 2020 gab es ja die Befürchtungen, dass wegen Corona der Markt austrocknet, aber das ist nicht eingetroffen. Geld ist nach wie vor da. Teilweise laufen die Finanzierungsrunden sogar effizienter, weil man als Gründer nicht mehr durch die ganze Welt tingeln und persönlich vorsprechen muss. Wenn die Idee und das Team gut sind, gibt es auch weiter Kapital. Ein Frisör oder ein Restaurant braucht wahrscheinlich gerade mehr Unterstützung als die Start-up Szene.

Wie gut gelingt die Zusammenarbeit mit Mittelständlern und Konzernen?
Es funktioniert gut, wenn es eine Geschäftsbeziehung auf Augenhöhe ist. Ich bin kein Fan von losem Austausch oder sich gegenseitigem Beschnuppern. Da habe ich die Erfahrung gemacht, dass das für Start-ups vor allem ein Zeitaufwand ist, es ihnen aber nicht wirklich weiterhilft. Manchmal haben die Corporates da auch eine verkehrte Anspruchshaltung. Start-ups sollten öfters als Marktteilnehmer oder Konkurrent wahrgenommen werden.

Würdet ihr euch von – lokalen oder regionalen – Behörden und Verwaltungen mehr Unterstützung wünschen?
Ja, und zwar bei öffentlichen Ausschreibungen. Oft muss man da drei Referenzen mitbringen, das ist für neue Start-ups schwierig. Das zementiert die etablierten Unternehmen. Nichts ist besser für Start-ups als ein früher Auftrag. Daran können sie ihre Prozesse überprüfen und echtes Geld verdienen, das hilft mehr als jede Förderung. Hier könnten die Behörden mutiger sein.

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