2016 neigt sich dem Ende. Es war nicht nur für die Start-up-Szene ein aufregendes und manchmal trauriges Jahr. Aber was erwartet uns 2017? Diese Trends sehen Investoren.

Alexander von Frankenberg, Geschäftsführer des High-Tech-Gründerfonds

„Das nächste große Ding werden Bitcoin und Blockchain. Bitcoin wird den Mainstream erreichen, und das wird sich in weiteren Wertsteigerungen ausdrücken. 1000 Euro pro Bitcoin werden locker erreicht. Neben und mit Bitcoin werden auf der Blockchain sehr viele neue Anwendungen entstehen.“

Christian Miele, E.ventures

„Das nächste Jahr wird für Investoren sehr aufregend. Erstens wird die Konkurrenz stärker, durch frisches Kapital der neuen und etablierten Fonds – sowie einem zunehmenden Kapitalfluss von Investoren aus den USA.

Zweitens werden die Deals komplexer, also technischer und verwobener. Einfache E-Commerce-Deals sind Vergangenheit. Das Zeitalter von künstlicher Intelligenz ist angebrochen, ebenso wie die Ära schwer verständlicher Wertschöpfungsketten in der Logistikbranche oder in der Versicherungsindustrie.

Drittens werden wir daher höhere Investitionen in diesen Bereichen und in echte Technologien sehen. Lilium Aviation, die für ihr Elektroflugzeug zuletzt Kapital von Atomico bekommen haben, sind ein schöner Vorbote.“

Frank Thelen

„Lilium Aviation. Das Start-up wird grundlegend verändern, wie wir reisen und leben. Das senkrecht startende und landende Flugzeug kann uns mit 300 Stundenkilometern transportieren, beispielsweise von ländlichen Gegenden ins Innere von Großstädten – und zwar emissionsfrei, mit sehr geringer Lärmbelästigung und zu sehr niedrigen Kosten.“

Olaf Jacobi, Managing Partner Capnamic Ventures:

Was „das“ große Ding in 2017 wird, kann niemand mit Sicherheit sagen. Wir können aus unserem Dealflow aber klare Trends ablesen. Einer lautet: Weniger E-Commerce, mehr Technologie und B2B-Lösungen. Das weltweit bekannte und geachtete „German Engineering“ ist nicht nur ein wichtiges Prädikat in etablierten Industrien wie Maschinenbau und Automotiv. Es setzt sich auch in den neuen Wachstumsmärkten durch. Auch wenn deutsche E-Commerce-Start-ups oft die Gründerpresse dominieren, entwickelt sich in Deutschland seit einigen Jahren immer mehr eine wirkliche Tech-Szene.

Ein weiterer Trend ist das Thema Daten. Sie bilden den Treibstoff der Digitalisierung. Gerade in den Bereichen Data Preparation (Aufbereitung und Zusammenführung von Daten) und Data Exploitation (automatisierte Entscheidungen aufgrund von Daten) sehen wir großes Potenzial für junge, innovative Unternehmen. Technologien wie Deep Learning und Artificial Intelligence haben ihr volles Potential noch lange nicht ausgeschöpft.

Hendrik Brandis, Partner Earlybird

„The next big thing hatte noch nie bessere Chancen als heute, aus Europa oder sogar aus Deutschland zu kommen, da anders als noch vor kurzem im globalen Internet die Chancen für Start-ups überall gleich sind.“

Daniel P. Glasner, Partner Cherry Ventures

„Applied Artificial Intelligence (AI) ist so zugänglich wie nie zuvor. Das wird dazu führen, dass die Technologie 2017 im Start-up-Mainstream ankommt. Auch wenn AI als Schlagwort in 2016 etwas abgenutzt wurde, kann seine Bedeutung in 2017 nicht hoch genug eingeschätzt werden. AI wird bei Start-ups unabhängig von ihrer Größe und Ausrichtung im Consumer-Bereich wie im B2B Bereich eine tragende Rolle spielen.

Produkte, Apps und Services, die dank dieser Technologie lernen, sich anpassen und sogar autonom agieren anstatt lediglich -definierte Befehle auszuführen, werden das Leben und Arbeiten von Konsumenten wie Unternehmen in 2017 wesentlich verändern und verbessern.

Die Gründe für den Durchbruch sind eine schnell wachsende Anzahl von Entwicklern mit dem entsprechenden Fachwissen, immer mehr Kapital, das in die Entwicklung der Basis-Technologie fließt, und sinkende Preise für die notwendige Rechenleistung. Das wird es auch kleineren Start-ups erlauben, die Technologie künftig einzusetzen.“

Uwe Horstmann, Partner bei Project A
„Ich hoffe, dass 2017 das Jahr wird, in dem auch die deutsche Wirtschaft Start-ups als Chance entdeckt. Nur so können generelle Ansätze zur Digitalisierung des Mittelstands entstehen. Aber auch Modelle im Bereich Industrie 4.0 und B2B-Modelle, die klassische Innovationskompetenz mit modernen Technologien und Start-up-Ansätzen verknüpfen.

Manfred Krikke, Partner HPE Growth Capital

“Ich setze auf vernetzte Geräte. Im Jahr 2020 wird es Prognosen zufolge mehr als 50 Milliarden davon geben, dann werden 98 Prozent aller neuen Autos vernetzt sein. Im kommenden Jahr liegt diese Zahl schon bei 50 Prozent. Wir glauben fest daran, dass Deutschland mit seinem Ingenieurswissen und seiner Erfahrung bei Produktion und Entwicklung für diese Entwicklung perfekt positioniert ist. Ein gutes Beispiel ist das Star-up eGym, das den weltweiten Markt für Fitnessgeräte aufmischt – indem es die Geräte miteinander vernetzt. Aber auch große Unternehmen können davon profitieren – wenn sie in Software investieren.