Ein Vorstandsmandat und ein Millionenvermögen sind Einstiegsbedingungen?

Nein, das ist überspitzt formuliert. Auch mit kleineren fünfstelligen Beträgen können Angel-Investments eingegangen werden. Unsere Zielgruppe ist das wohlhabende Bürgertum, z.B. auch Ärzte oder Notare. Es wird in jeder Runde Investoren mit mehr und weniger Branchenerfahrung geben. Mittel- oder langfristig könnte es auch möglich werden, einen Fonds für die Region aufzulegen. Oder Bürger über eine Art Crowdfunding zu beteiligen. Natürlich muss allen bewusst sein, dass es sich dabei um riskante Investments handelt und es kein Renditeversprechen gibt.

Sie planen eine zweistellige Zahl an Investments in den kommenden Jahren. Was für Start-ups könnten denn interessant sein?

Frankfurt hat die Fintechs und Darmstadt mit der dortigen Technischen Universität viele High-Tech-Gründungen. Wir hoffen vor allem auf die Themen, die aus der Stadt bereits hervorgegangen sind. Fitvia, Schuhe24, Firma.de, Lenicura, Auctopus oder Acao sind Beispiele – also Start-ups aus den Themen Food, Medien, Gesundheit oder auch E-Commerce. Und dann gibt es einen starken Bereich rund um Social-Impact-Investments – weil es in der Stadt enge Verbindungen zu Nobelpreisträger Muhammad Yunus gibt.

Sie wollen auch Start-ups zum Umzug nach Wiesbaden bewegen. Bei einem ersten Investment klappt das bereits – der Gründer will von Frankfurt umsiedeln. Welche Argumente sehen Sie für den Standort?

Die Verkehrsanbindung der Stadt ist hervorragend, das ist sicher ein hartes Argument. Auch ist die Lebensqualität hoch. Wir werden vielleicht nicht um die 20-Jährigen konkurrieren können, die nach Berlin, München oder noch weiter raus in die Welt wollen. Aber wer bereits eine Familie hat und eine Firma gründen will, der wird sich hier wohlfühlen. Hohe Mieten waren früher vielleicht ein Nachteil – aber mit den Anstiegen in Berlin und anderswo hat sich das nivelliert. Es gibt zudem eine persönliche Gründerkultur, in der viele Akteure eng miteinander verbunden sind. Und eben viele hochrangige Manager oder Unternehmer, die wirklich Spaß an der Zusammenarbeit mit Start-ups entwickeln können.