Wird denn aus einem guten Intrapreneur auch mal ein richtiger Entrepreneur?

Gegebenenfalls ja, wenn er das möchte. Die meisten Intrepreneuere, die ich kennen gelernt habe, die wollen dann nach ein paar Jahren noch einmal etwas ganz anderes machen – sich neuen Projekten widmen. Das ist vielleicht vergleichbar mit Gründern, die ihre Start-ups nach wenigen Jahren verkaufen und etwas Neues starten. Intrapreneure scheinen also nach einiger Zeit neue Herausforderungen zu suchen – das muss aber nicht unbedingt eine Ausgründung sein.

Was sind denn Risiken, die ein Unternehmen mit Intrapreneuren eingeht?

Es ist insbesondere eine Angst, die Unternehmen haben, wenn es um Intrapreneurship geht: Am Ende macht keiner mehr seinen Job! Es ist die Sorge, jemand wandert mit seinen Ideen zu weit vom Kerngeschäft weg, denkt zu frei und könnte mit seinem erdachten, neuen Geschäftsmodell alte Kunden verprellen. Je mehr Freiheiten ich Menschen lasse, desto mehr brechen sie natürlich aus dem Bestehenden und Bekannten aus. Da entsteht dann auch die Angst, dass die Ideen zu weit gehen könnten und die Risiken schwer abschätzbar sind. So gesehen sind es gar nicht die Risiken selbst, die Unternehmen in Sachen Intrapreneurship im Weg stehen können, sondern die Angst vor den Risiken.

Und was spricht für einen Mitarbeiter dafür und dagegen, den Schritt zum Intrapreneur zu wagen?

Es ist eine Generationen- und Typenfrage. Gute Intrapreneure sind keine Menschen, die ihre dreißig Jahre in einem Großkonzern einfach so absetzen wollen, um dann in Rente zu gehen. Das sind Mitarbeiter, die etwas unzufrieden sind mit ihrer Rolle. Das einzige Risiko, das sie eingehen, ist, dass sie eventuell hinterher das Unternehmen und ihr Umfeld wechseln müssen. Als Intrapreneur kann ich natürlich Menschen verprellen, wenn ich sie vor den Kopf stoße und ihnen aufzeige – das, was ihr da den ganzen Tag macht, bringt uns nicht weiter. Das kann sowohl für die Vorgesetzten als auch die direkten Kollegen, denen ich den Spiegel vorhalte, schwierig sein.

Damit birgt aber ja auch die Arbeit eines Intrapreneurs ein gewisses Risiko. Kritiker des Intrapreneurships sagen gerade deshalb, dass es kein kluges System ist. Denn ich trage ebenso ein Risiko wie ein Gründer, aber ich bin nicht frei, in dem was ich tue…

Das ist richtig, aber das ist eben der Unterschied. Der Entrepreneur entscheidet sich für die vollkommene Freiheit – obwohl man das auch einschränken muss, wenn man an das Mitspracherecht etwa von Investoren denkt. Der Intrapreneur hat aber eben ein gewisses größeres Sicherheitsbedürfnis. Er steht nämlich eben doch nicht ganz alleine da. Und trotzdem hat er eine lebendige Begeisterung für neue Entwicklungen – auch innerhalb einer großen Organisation. Ich würde nicht sagen, dass diese mangelnde Freiheit die Kreativität an dieser Stelle einschränkt. Ein Intrapreneur hat gegenüber einem Entrepreneur vor allem den Vorteil, dass er sich politisch besser verhält. Er gehört eben einer größeren Organisation an und muss sich in einem politischen Umfeld bewegen und ich würde sagen, ein Intrapreneur ist deshalb sogar ein Stück weit besser, als ein Entrepreneur, wenn es um politische Spielchen geht. Er weiß besser, wann er mit wem reden muss und wie die Strömung ist.