Identitätsmanagement, Cloud, Schnittstellen: Start-ups und Versicherer wollen zukünftig gemeinsam an Projekten arbeiten. Der Digital Hub bildet die Basis für diese Initiativen.

Kurzes Video via Smartphone statt langes Warten auf die Post: Mithilfe des Hamburger Start-ups Nect beschleunigt die R+V Versicherung seit vergangenem Herbst die Identifizierung ihrer Mitglieder für das Kundenportal. Die Technologie von Nect ermöglicht es, ohne den Einsatz von Menschen die Echtheit eines abgefilmten Ausweises zu überprüfen. Zuvor mussten die Kunden darauf warten, bis ihnen der Versicherer einen Freischaltcode für die Plattform per Brief gesendet hatte.

Jetzt wollen Start-up und verschiedene mittelständische Versicherer dieses Modell gemeinsam ausbauen. Katalysator für das Projekt ist der Verein Insurlab Germany, der von Köln aus Start-ups, etablierte Assekuranzen und die Wissenschaft zusammenbringt. Die Initiative zum Identitätsmanagement für die Branche soll der Startschuss für die Zusammenarbeit in mehreren Bereichen sein.

Konkreten Projekte zwischen Start-ups und Versicherern

Damit erweitert der Digital Hub seine Arbeit über die Vernetzung von Firmen und die Entwicklung von Start-ups hinaus zu konkreten Umsetzungsprojekten. „Wir haben den Anspruch, der Versicherungsindustrie im Zusammenspiel von Startups und Versicherern konkrete Lösungen anzubieten“, sagt Mathias Bühring-Uhle, Vorstandsvorsitzender des Insurlab Germany.

Dreiviertel der Mitgliedsunternehmen hatten sich in einer Umfrage für gemeinsame Aufgaben ausgesprochen – und zum Teil sogar die Bereitschaft erklärt, die Leitung solcher Kooperationsprojekte zu übernehmen.  „Wir wollen das Potenzial der Brancheninitiative und das Know-how in unserem Netzwerk nutzen“, sagt Insurlab-Germany Geschäftsführer Sebastian Pitzler gegenüber WirtschaftsWoche Gründer.

In welcher Form so eine Zusammenarbeit mündet, steht dabei noch nicht fest. Einige weitere Themen sind jedoch bereits identifiziert: Groß ist das Interesse etwa an Cloud-Lösungen für die Versicherungsbranche oder an technologischen Schnittstellen zwischen den IT-Systemen der Versicherer. So wollen die Unternehmen effizienter an manchen Problemen arbeiten „Es geht nicht um die hochkompetetiven Themen“, sagt Pitzler. Zurückgreifen können Mitglieder dabei auf die etwa 200 Start-ups, die zum Netzwerk gehören. Sie arbeiten an IT-Lösungen für die Versicherungsbranche oder selbst an digitalen Versicherungsprodukten.

Vernetzung der Ökosysteme

Im Verein selbst sind knapp 80 Unternehmen Mitglied. Die meisten davon sind große oder mittelständische Versicherer. Dazu kommen Beratungen, IT-Firmen und Hochschulen. Auch Veranstalter wie die Kölnmesse sind nun Teil des Netzwerks – das Insurlab plant in der Zukunft auch eigene Konferenzen und Messen in Köln und München.

Der vor knapp zwei Jahren ins Leben gerufene Kölner Verein ist Teil der bundesweiten Digital-Hub-Initiative, die vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird. An insgesamt zwölf Standorten wurden in den letzten Jahren Orte und Räume geschaffen, in denen sich Start-ups, Unternehmen und auch Hochschulen vernetzen sollen. Je Standort steht jeweils eine bestimmte Branche im Fokus – für den Bereich Versicherungen gibt es neben Köln zudem den Insurtech Hub in München.