Auch Online-Kioske wie Pocketstory oder Blendle setzen neben computergesteuerten Angeboten auf kuratierte Empfehlungen. „Damit können wir unsere Inhalte personalisiert anbieten, ohne unsere Nutzer in einer Filterblase einzusperren“, sagt Michaël Jarjour, Leiter der Blendle-Redaktion in Deutschland. Die Kunden blättern durch die Magazine und Zeitungen, lesen Überschriften und rufen gegen Bezahlung Artikel auf. Den Preis bestimmen die Verleger, die 70 Prozent der Erlöse bekommen.

Das niederländische Start-up spricht von mehr als 650 000 registrierten Nutzern, die „Millionen“ Artikel pro Monat lesen. Derzeit läuft eine Beta-Phase im hart umkämpften US-Markt. „Die Medienbranche weltweit kämpft gegen die Probleme, die der Wandel ins Internet gebracht hat. Und wir helfen ihr dabei“, sagt Jarjour. Thorsten Höge von Pocketstory sagt: „Wir haben die Mission, dass es für gute Angebot im Netz Erlösquellen geben muss.“ Die anfängliche Skepsis der Verlage gegenüber Online-Kiosken sei endgültig vorbei.

Vorteile kuratierter Plattformen

Welche Vorteile haben Verleger von einer Plattform wie Upday, die sich durch nutzerspezifische Werbung auf dem Portal finanzieren will? Die Verlage würden im Rahmen des Leistungsschutzrechts an den Erlösen beteiligt, erklärt Peters. Aber vor allem bringe Upday Traffic: „Wir schaffen eine Reichweite, die sie monetarisieren können.“ Denn im Upday verlinke direkt auf die Originalquelle im Web.

Auf Facebook können die Medien ihre Inhalte direkt auf der Plattform speichern, was die Ladezeit deutlich verkürzt. Zahlreiche Medienhäuser sind dabei und setzen auf das Netzwerk von mehr als 1,6 Milliarden Nutzern. Doch das Projekt war von Beginn an umstritten: „Werden Leser überhaupt noch wahrnehmen, woher eine Geschichte stammt?“, fragte Jill Abramson, frühere Chefredakteurin der „New York Times“. Und auch Weichert sagt: „Ich halte das für eine große Gefahr.“ „Schon heute sprechen wir von „homeless media“. Medien machen sich von der Plattform abhängig und die eigene Marke wird zunehmend geschwächt.“

Upday-Chef Peters will über die wirtschaftlichen Hintergründe des exklusiven Deals mit Samsung nichts verraten. Es bleibt unklar, ob und in welche Richtung zwischen Springer und Samsung Geld fließt. In der näheren Zukunft soll Upday auf mehr Geräte wie Tablets oder später einmal Fernseher kommen und in weitere europäische Länder expandieren. „Wir haben uns viel vorgenommen“, sagt Peters. „Aber große Chancen bedeuten natürlich auch hohe Risiken – Scheitern inbegriffen.“