Mit ihrer Plattform wollen die Münchener die Technologie praxistauglich machen. Erste Kunden gibt es bereits, nun sind neue Investoren an Bord gekommen.

Über den Wolken in virtuelle Welten reisen: Das will Inflight VR möglich machen. Das Münchener Start-up entwickelt eine Software-Plattform für Virtual-Reality (VR) und vertreibt auch passende Headsets. Das System soll eine Alternative zu klassischen Entertainment-Systemen in Flugzeugen bieten – und Airlines zusätzliche Erlöse einbringen.

Gegründet 2014 von Nikolas Jäger und Moritz Engler, hat das Start-up nun eine Finanzierungsrunde abgeschlossen. Wie Inflight VR mitteilte, kommt das Geld zum einen von den Bestandsinvestoren Motu Ventures und CBC Investments. Zum anderen sind neue Investoren an Bord gekommen – darunter Stefan Lauer, Ex-Personalchef der Lufthansa und Carsten Berrar, Partner der Anwaltsfirma Sullivan & Cromwell. Das Gesamtfinanzierungs-Volumen sei damit auf vier Millionen Euro gestiegen, so Inflight VR.

Das frische Kapital will das Start-up nutzen, um Entwicklung und Vertrieb auszubauen. Man wolle außer im Flugbereich auch in anderen Transport-Segmenten wachsen, erklärte CEO Moritz Engler auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer. So könne die Technologie beispielsweise auch in Bussen, Zügen, auf Kreuzfahrschiffen und in Hotels verwendet werden.

Iberia als Kunde

Aktuell gibt es laut Engler mit drei Airlines reguläre, kommerzielle Verträge. Darunter ist die spanische Fluggesellschaft Iberia, bei der Passagiere unter anderem auf der Route Madrid – New York VR-Headsets leihen können. Mit einer Reihe weiterer Fluggesellschaften sei man in Pilotphasen, zu den Kunden zählten außerdem Betreiber von Flughafen-Lounges. Tests finden zudem mit Flixbus statt: Das Fernbusunternehmen probiert das VR-Angebot in den USA, Frankreich und Spanien aus.

Inflight VR versteht sich in erster Linie als Software-Plattform, auf der passende Inhalte bereitgestellt werden. Zum Angebot gehören beispielsweise Spiele, Sport- und Konzertmitschnitte, Spielfilme und virtuelle Spaziergänge durch Berglandschaften. Das Start-up betont, dass es Inhalte auswählt und optimiert, dass sie im begrenzten Raum eines Flugzeugsitzes funktionieren. Zudem werde darauf geachtet, dass Nutzern nicht schlecht wird – ein relativ weit verbreitetes Problem von VR-Brillen.

Hilfe bei der Logistik

Darüber hinaus stellt das Start-up auch passende Hardware bereit und unterstützt die Kunden dabei, die logistischen Prozesse einzurichten. „Reinigung und Batterie-Ladung erfolgt in den Warehouses oder Catering Facilities“, so Engler. „An Board ist die Logistik nicht signifikant komplizierter als das Austeilen von iPads oder Kopfhörern.“

Aktuell beschäftigt Inflight VR 20 feste Mitarbeiter in München, Los Angeles und Barcelona. Dort ist auch der Entwicklungsstandort. „Der Grund hierfür ist, dass unser CTO – Elena Kokkinara – dort sehr gut vernetzt ist, und dass es gerade im Bereich VR sehr gute und im Vergleich zu Deutschland preisgünstige Entwickler gibt“, erläutert Engler.