Angeführt wird die Runde vom Londoner Risikokapitalgeber Atomico. Das Geld soll in die Expansion und die Vergrößerung des Teams fließen.

Das Berliner Indoor-Farming-Start-up Infarm hat in einer Series-B-Finanzierungsrunde 100 Millionen Dollar eingesammelt, umgerechnet 88 Millionen Euro. Angeführt wird die Runde vom Londoner Risikokapitalgeber Atomico; auch Infarms Alt-Investoren Balderton Capital, Astanor Ventures, Cherry Ventures und TriplePoint Capital beteiligen sich an der Runde. 

Das frische Kapital soll in die internationale Expansion sowie in die Vergrößerung der Teams in den Bereichen R&D-, Operations- sowie Sales fließen.

Pflanzen wachsen in Brutschränken

Infarm wurde 2013 von den aus Israel stammenden Brüdern Guy und Erez Galonska sowie Osnat Michaeli gegründet. Sie haben spezielle Brutschränke entwickelt in denen die Samen von Kräutern und Gemüse dank einer gleichmäßig feuchten Wärme sehr schnell treiben können. Der gesamte Anbau wird permanent digital überwacht – Faktoren wie ph-Wert, Temperatur oder Nährstoffdichte werden überprüft und bei Bedarf angepasst, damit die Pflanzen möglichst gut wachsen können.

Damit gehen die drei Gründer ein aktuelles Problem an: Frische Produkte sind in den meisten Endmärkten selten einheimisch und ihr Konsum eine große ökologische Herausforderung für den Planeten, denn die Nachfrage nach Produkten auch außerhalb der Saison, lange Transportwege und überbeanspruchtes Ackerland strapazieren nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geschmack und den Nährstoffgehalt der Lebensmittel. Der CO2-Abdruck der Nahrung beträgt 17 Prozent der gesamten globalen Emissionen; 45 Prozent der Nährstoffe in den Pflanzen gehen verloren bis sie im Supermarkt eintreffen.

“Software ernährt die Welt”

„Infarms Technologie löst dieses Problem und macht die Produktion frischer Lebensmittel nachhaltig. Somit haben sie eine globale Zielgruppe und waren dadurch vom ersten Tag an international tätig. Das macht sie zu einem kommerziell attraktiven Angebot für alle Akteure der Lieferkette. Infarm hat auf diese Weise den idealen Weg gefunden, ein großes globales Problem zu lösen und baut die Infrastruktur für eine nachhaltigere und gesündere Zukunft. Mit Infarm zehrt Software nicht länger an der Welt, sondern ernährt sie vielmehr“, lässt sich Hiro Tamura, Partner bei Atomico, zitieren, der im Zuge der Finanzierungsrunde neues Mitglied im Aufsichtsrat von Infarm wurde.

Kooperation mit Edeka, Metro und Amazon Fresh

In Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Luxemburg kooperiert das Start-up eigenen Angaben zufolge bereits mit 25 großen europäischen Lebensmittelhändlern wie Edeka, Metro, Intermarche, Auchan, Selgros und Amazon Fresh. Der Start in Großbritannien ist für September diesen Jahres geplant. Dort wird Infarm mit einigen der größten stationären und Online-Supermärkten des Landes zusammenarbeiten. Außerdem sei man in fortgeschrittenen Gesprächen mit Einzelhändlern in den USA und Japan. 

Im Februar des vergangenen Jahres hatte das Start-up bereits 20 Millionen Euro eingesammelt, zuvor vier Millionen Euro. Aktuell beschäftigt das Unternehmen 250 Mitarbeiter und hat über 200 Farmen in Läden sowie 150 Farmen in Logistikzentren installiert; monatlich werden dort 150.000 Pflanzen geerntet.