Die 5555 Abonnenten, die die Finanzierung gewährleisten sollten, erreichte der Aufruf offensichtlich nicht. Bevor selbsterklärte Überzeugungstäterin Zepter das Magazin schließlich einstellte, sagte sie gegenüber dem Fachmagazin „Journalist“: „Wir sind ein Start-up. Und wie jedes Start-up kranken auch wir am Cashflow.“ Große Investoren und Growdfunding seien keine Option gewesen.

Gründerinnen stellen One Day Portray vor

In der Schweiz haben Brüllmann und Hummel von One Day Portray erst kürzlich eine Crowdfunding-Kampagne erfolgreich beendet. Ein persönliches Video, das den Charme ihrer Magazin-Idee spiegelt, sowie einige Leseproben haben die Unterstützer überzeugt – neben Freunden und Familie übrigens wieder viele aus dem eigenen Metier. Die gut 22.000 Schweizer Franken sollen in den Aufbau der professionellen Webseite über eine Agentur fließen, Hosting-Kosten decken und die englischen Übersetzerinnen finanzieren, so dass das Portal von Beginn an zweisprachig läuft.

Für die Gründerinnen springt kein Gewinn raus. „Ziel ist es zunächst einmal, kostendeckend klarzukommen“, sagt Hummel. „Wir glauben an die Idee und die steht im Vordergrund.“ Diese solle organisch wachsen, fernab wirtschaftlicher Zwänge. „Wir hatten von Beginn an sehr konkrete Vorstellungen bezüglich des Produkts; alles andere kommt nach und nach dazu“, sagt Brüllmann. Wirtschaftliche Aspekte stünden auf der Prioritätenliste weit hinter den Inhalten.

„Das sind Blut, Schweiß und Tränen“

Bei MUH sei das ganz ähnlich, sagt Kling. So unabhängig müsse sich das Team nur an die eigenen Regeln halten und ausschließlich die Geschichten bringen, die es bringen will. Bezahlt wird für diese Freiheit allerdings in bar: „Man darf nicht vergessen, dass die ersten zwei Jahre keiner von uns einen Cent gesehen hat. Wir haben praktisch umsonst gearbeitet“, sagt Kling. „Das sind Blut, Schweiß und Tränen. Es ist schon eine Herausforderung, diesen langen Atem zu haben.“

Aber es überhaupt so weit geschafft zu haben, sei für die Jung-Verlegerin ein Wunder. „Ich habe bei der ersten Ausgabe gedacht, ich bleibe einfach mal auf 10.000 Heften sitzen.“ Der Knackpunkt sei seit der Gründung derselbe: Wie erreicht das Medium seine potenziellen Leser? Der Antwort auf die Frage ist eine ganze Branche hinterher und für die selbstverlegten Indie Mags ist dieser Wettstreit besonders hart.