Sedat Aktas, ein studierter Medienmanager, und sein Co-Gründer Michael Reinfrank, der einen stationären Weinhandel in Mainz betreibt, bieten in ihrem Online-Shop rund 200 Weine von 40 Winzern an. Mit „Geile Weine“ wollen sie vor allem junge und unerfahrene Weintrinker ansprechen, „diejenigen, die sich beim Weinkauf in einem gewöhnlichen Laden unwohl und hilflos fühlen, weil sie mit Begriffen wie Abgang und Bouquet nichts anfangen können”, erklärt Aktas das Konzept.

Bouquet und Abgang?

Der 37-Jährige weiß, wovon er spricht, denn die Idee basiert auf seinen eigenen Erfahrungen. „Zu einer Geburtstagsfeier bei Freunden in Düsseldorf wollte ich als Gastgeschenk eine Flasche Wein mitbringen, doch mein Besuch in dem Weinladen missglückte völlig.“ Sedat Aktas fühlte sich von oben herab behandelt und als Kunde nicht ernst genommen. Am Ende verließ er den Laden ohne Gastgeschenk, aber dafür mit einer Geschäftsidee: „Geile Weine“ war geboren. Ein Online-Shop, der Kunden, die Wein mögen, sich aber damit nicht gut auskennen, dank eines Filtersystems den Einkauf des richtigen Tropfens ermöglicht. „Und das vollkommen unkompliziert“, verspricht Aktas. Gefiltert werden die Empfehlungen nicht nur nach den Rubriken Herkunftsregionen, Essen und Jahrgang, sondern auch nach so genannten Weinmomenten, wie Lesen auf der Couch, Langer Abend im Büro und Erstes Date – einige Sorten gibt es zudem als Mini-Versionen in 5cl-Flaschen zum Testen. Die Winzer, deren Weine er vertreibt, sind selbst jung und relativ unbekannt, so dass die Preise auch für junge Käufer erschwinglich sind. „Unentdeckte Stars“ nennt Sedat Aktas seine Winzer.

Junge Konsumenten finden Spaß am Wein

Das Konzept, vor allem die neue Generation an Weintrinkern anzusprechen, hält Ernst Büscher für erfolgversprechend. „Wein ist in den letzten Jahren trendy geworden. Jüngere Konsumenten trinken mehr Wein als noch vor zehn Jahren. Sie interessieren sich sehr für das Thema, besuchen Winzer, nehmen an Seminaren und Verkostungen teil.“

So viel sich auch tut in der Branche, eines ist nach wie vor wie immer: Männer machen den Großteil der Weintrinker aus. Der Düsseldorfer Daniel Westerkamp nutzt dieses Ungleichgewicht und konzipierte aus dieser Tatsache sein Start-up. Mit seinem Online-Shop „Vintessa“ konzentriert er sich vor allem auf die weiblichen Gaumen und bietet speziell ausgewählte Weine für Frauen. Davon profitieren nicht nur die Kundinnen, sondern auch die Winzerinnen, deren Wein Westerkamp verkauft: „Wir wollen sie in einer immer noch männerdominierten Branche unterstützen“, sagt der Gründer. Sollte das gelingen, wäre auch das eine kleine Revolution.