Lange Zeit setzte die Branche nur zögerlich auf Tools und Software. Das ändert sich jetzt. Und eine EY-Studie zeigt: Start-ups gehören dabei zu den gern gebuchten Helfern.

Mietverträge, Nebenkostenabrechnungen, Baupläne: Proptechs wie Casavi, Evana oder Realxdata setzen darauf, die Massen von Daten in der Immobilienbranche zu verwalten, zu organisieren und zu analysieren. Die etablierten Unternehmen der Branche haben die Digitalisierung lange nur als lästigen Untermiete betrachtet – Start-ups nahmen sich daher den ineffizienten Prozessen an.

Eine aktuelle Untersuchung der Beratungsgesellschaft EY mit dem Branchenverband Zentraler Immobilien Ausschuss (ZIA) zeigt, dass die Immobilienwirtschaft mittlerweile aber das Potenzial des Themas für sich entdeckt hat. Aktuell investieren 24 Prozent der Unternehmen mehr als fünf Prozent seines Jahresumsatzes in Digitalisierungsmaßnahmen – vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 15 Prozent. Es tut sich also was: „Aus reinen Absichtserklärungen sind konkrete Strategien entstanden“, sagt Christian Schulz-Wulkow, Leiter des Immobiliensektors bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Start-ups füllen die Fachwissen-Lücke auf

Das große Problem der Immobilienunternehmen: Viele wissen nicht, wie sie den Datenschatz tatsächlich heben kann. Zwei Drittel der befragten Firmen sehen „fehlende Fachkompetenz“ im eigenen Haus als sehr starkes oder starkes Hindernis für den Einsatz digitaler Technologien.

Start-ups mit Fokus auf die Immobilienbranche können davon profitieren: Die Zusammenarbeit mit jungen Digitalfirmen halten die etablierten Unternehmen für die sinnvollste Umsetzungsstrategie, zeigt die Umfrage unter etwa 300 Branchenvertretern (hier geht es zum PDF). 31 Prozent der Konzerne setzen darauf. Dahinter erst folgen die Pläne für den Aufbau eines internen Expertenpools und die Verankerung in die bestehende IT.

Partnerschaft statt Konkurrenz

Knapp jedes vierte Immobilienunternehmen in der Umfrage lässt etwa die Betriebskosten bereits regelmäßig mit spezieller Software analysieren. Auch die durchgängige Automatisierung von Geschäftsprozessen ist ein Feld, in dem heute schon ein Viertel der Firmen auf Data Analytics setzt. Andere Einsatzgebiete erfordern nicht zwangsläufig Proptechs, aber andere Software-Start-ups: 18 Prozent der Immobilienfirmen überprüfen beispielsweise bereits regelmäßig mithilfe von Datenanalysen die Belastbarkeit ihrer Entscheidungen.

In vielen Fällen werden Start-ups so zum gern gesehenen Helfer. Im Gegensatz zu anderen Branchen müssen viele etablierte Immobilienverwalter oder Projektentwickler nicht fürchten, dass ihnen digitale Angreifer das Geschäft wegnehmen. Die physischen Grundstücke und Gebäude bleiben den Firmen erhalten. Software von Start-ups kann jedoch helfen, die Immobilien deutlich effizienter zu verwalten. Die Zahl der Partnerschaften nimmt daher stetig zu – auch wenn die Start-ups noch immer nicht in allen Immobilienfirmen mit offenen Armen empfangen werden, wie Branchenvertreter berichten.