Das Start-up greift Maklern mit technischen Hilfsmitteln unter die Arme – und will so den Immobilienverkauf beschleunigen. Die Investoren glauben an das Marktpotenzial.

Anfang des Jahres veröffentlichte der Immobilienverband Deutschland (IVD) gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov ein Befragung zum Thema Wohneigentum: Welche Wünsche, welche Schwierigkeiten sehen Verbraucher in Deutschland hinsichtlich des Kaufs einer Wohnung oder eines Hauses? 54 Prozent der Umfrageteilnehmer besaßen kein Wohneigentum, rund die Hälfte wollte diese Tatsache jedoch gerne ändern – nur fehlendes Eigenkapital stand dem bisher im Weg. Immerhin 19 Prozent hatten bereits konkrete Pläne geschmiedet, um Wohneigentum zu erwerben, den hohen Preisen zum Trotz.

Der anhaltende Immobilien-Boom ist Nährboden für Start-ups, die den Kaufprozess digitalisieren – und den beteiligten Parteien so viel Zeit ersparen – wollen. Dass auch das Interesse von Wagniskapitalgebern groß ist, zeigt die aktuelle Finanzierungsrunde von Homeday: 40 Millionen Euro hat das Berliner Start-up, das sich selbst als als Hybridmakler bezeichnet, gerade eingesammelt. Investoren sind die gemeinsame Beteiligungsgesellschaft von Axel Springer und Purplebricks sowie der Wagniskapitalgeber Project A. Bereits im Oktober 2018 hatten die Firmen Homeday in einer 20-Millionen-schweren Finanzierungsrunde unterstützt.

Kooperation mit 180 Maklern vor Ort

Das frische Kapital werde zum Ausbau des Geschäftsmodells und zur Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen für Kunden und Partner-Makler genutzt, teilte das Start-up mit. Auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer sagte Co-Gründer Dmitri Uvarovski: „Wir arbeiten unter anderem gerade an einem neuen Bewertungstool, das es Homeday-Maklern ermöglicht, noch präziser und transparenter den optimalen Angebotspreis für die Immobilie zu kalkulieren.“

Homeday verspricht, den Immobilienkauf durch Technologie einfacher, schneller und transparenter zu machen. Das Start-up arbeitet mit aktuell 180 selbstständigen Maklern zusammen – und unterstützt diese beispielsweise bei der Organisation von Dokumenten und Terminen und dem Schalten von Verkaufsanzeigen und Werbung. Außerdem werden Gespräche mit Verkäufern und Käufern übernommen. Homeday bietet zudem 360-Grad-Besichtigungen und virtuelle Notartermine an.

Mit der Digitalisierung des Vermittlungsprozess wollen die Gründer nicht nur den administrativen Aufwand reduzieren, sondern auch Kosten für alle Beteiligten einsparen: „Vor der Gründung von Homeday ist uns als Privat-Interessenten für Immobilien aufgefallen, dass die Maklerprovisionen in Deutschland – die in der Regel zwischen sechs und sieben Prozent liegen – verglichen mit anderen Ländern wie Großbritannien mit 1,5 Prozent extrem hoch sind und die Leistung einiger Makler die hohe Provision nicht rechtfertigt. Das wollten wir ändern“, so Uvarovski.

Die Konkurrenz schläft nicht

Das Angebot scheint gut angenommen zu werden: Eigenen Angaben zufolge konnte das Start-up die Anzahl seiner Vermittlungsaufträge im vergangenen Jahr um 515 Prozent steigern und war damit einer der am schnellsten wachsenden bundesweiten Makler in Deutschland. Seit Gründung habe man bereits Immobilien im Wert von über drei Milliarden Euro erfolgreich vermittelt, heißt es. Homeday wurde 2014 von Steffen Wicker, Dmitri Uvarovski und Philipp Reichle in Köln gestartet. Die drei kannten sich bereits von der Gründung des Musik-Streaming-Service simfy. 2016 eröffnete das Start-up in Berlin die heutige Hauptzentrale des Unternehmens, im März 2017 kam mit Friederike Hesse Verstärkung fürs Management-Team ins Haus.

Den Trend zur Digitalisierung des Immobilienverkaufs hat indes nicht nur Homeday erkannt: Konkurrenz bekommen die Berliner beispielsweise von dem ebenfalls in der Hauptstadt ansässigen Start-up McMakler, das im Juni des vergangenen Jahres 50 Millionen Euro an Wagniskapital einsammeln konnte. Glaubt man Dmitri Uvarovski, ist der Markt groß genug für mehrere Hybridmakler, für kleinere Anbieter jedoch werde es eng: Wir rechnen damit, dass in den kommenden Jahren insbesondere viele kleinere Maklerbüros Probleme bekommen, technologisch abgehängt, und aus dem Markt ausscheiden werden. Die beschlossene Neuregelung der Maklerprovision sowie die durch Corona angetriebene Digitalisierung könnten den Prozess beschleunigen.