Das Münchener Start-up erhält ein Millioneninvestment vom Konzern Giesecke+Devrient. Das stärkt das Selbstbewusstsein für die Expansion – und einen andauernden Rechtsstreit.

Schnell ein Konto eröffnen, den Handyvertrag wechseln oder sich für einen Carsharing-Dienst registrieren: „Es wird immer wichtiger, schnell und sicher virtuell Identitäten bestätigen zu lassen“, sagt Rupert Spiegelberg, seit vergangenem Oktober CEO von IDnow. Das Start-up will davon profitieren: Die Münchener entwickeln digitale Produkte, mit denen sich Nutzer mobil oder am Rechner authentifizieren lassen können, etwa bei der Digitalbank N26.

Ein Konzern, der seine Wurzeln in der alten Finanzwelt hat, ist ebenfalls von dem Potenzial von IDnow überzeugt: Der Investment-Arm der ebenfalls in München ansässigen Firmengruppe Giesecke+Devrient (G+D) steckt einen einstelligen Millionenbetrag in das Start-up. Das erfuhr WirtschaftsWoche Gründer vorab. G+D druckte lange Zeit vor allem Banknoten für zahlreiche Staaten, hat sich in den vergangenen Jahren jedoch zu einem Anbieter für Sicherheitstechnologie, etwa in Chipkarten, entwickelt.

Verknüpft mit dem Investment ist auch ein „Partnerschafts- und Kooperationsvertrag“ mit der Division von G+D, die für mobile Sicherheit zuständig ist. Für die kommenden Monate sind gemeinsame Entwicklungen geplant, um etwa Künstliche Intelligenz und biometrische Elemente in den Authentifizierungsprozess einzubringen. „In unseren Kernbereichen Bezahlen und Konnektivität ist das sichere Management von Identitäten zentral für das Vertrauen unserer Kunden. Eine positive digitale Nutzererfahrung beginnt mit einem sicheren und komfortablen Registrierungsprozess“, lässt sich Carsten Ahrens, der die Geschäfte von G+D Mobile Security leitet, in einer Pressemitteilung zitieren.

Parallel soll G+D, die nach eigenen Angaben in 32 Ländern tätig sind, die Produkte von IDnow auch mit eigenen Angeboten kombinieren, und so beim Vertrieb helfen. „Da sprechen wir auch über Märkte jenseits von europäischen Ländern“, sagt CEO Spiegelberg im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Aktuell liegt der Fokus von IDnow insbesondere auf dem deutschsprachigen Raum sowie west- und nordeuropäischen Nachbarn.

Als Referenzkunden werden auf der Homepage unter anderem die Commerzbank, Sixt, Telefónica Deutschland, und Fintechs wie Fidor und Smava genannt. Die Mitarbeiterzahl hat sich seit dem Amtsantritt von Spiegelberg von 150 auf 300 Mitarbeiter erweitert – nach eigenen Angaben überwiegend im Bereich IT und Produktentwicklung.

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Das Start-up, im Jahr 2014 unter anderem vom heutigen Investor Felix Haas mitgegründet, ist nach eigenen Angaben insgesamt mit zehn Millionen Euro finanziert. Bezogen auf die große Mitarbeiterzahl wirkt das aktuelle Investment eher bescheiden. Laut Spiegelberg sei es aber vor allem notwendig gewesen, um das nun geplante Wachstum zu ermöglichen. Man hofft auf mehr Marktchancen durch immer größere Peer-to-Peer-Marktplätze, auf denen Privatleute Waren austauschen.

Mit breiter Brust geht IDnow auch in eine in wenigen Wochen anstehende Verfahrensrunde gegen den Konkurrent WebID. Die beiden Unternehmen streiten sich seit einigen Jahren vor Gerichten: Dabei geht es um die Fragen, ob IDnow ein umfassendes Patent für die Authentifzierung besitzt – und ob WebID dieses mit seinem Produkt verletzt.

Ende April mussten in der ersten Frage beide Parteien sowie die Deutsche Post, die das Patent ebenfalls anzweifelt, vor der Einspruchsabteilung des Europäischen Patentamts (hier geht es zum Patent) Stellung nehmen. WebID sprach im Anschluss in einer Pressemitteilung (hier geht es zum PDF) davon, eine „gravierende Einschränkung“ des IDnow-Patents erreicht zu haben. Spiegelberg dagegen sagt, dass es nur um geringe formale Anpassungen ging und sieht sich weiterhin im Recht.

Dieses Ergebnis will IDnow daher nun auch vor Gericht für sich nutzen. In wenigen Wochen steht ein Patentverletzungsverfahren vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf an: „Wir haben ein durchsetzbares Patent und wir werden das vor Gericht testen“, sagt Spiegelberg im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.