Das Start-up liefert sich einen Konkurrenzkampf mit WebID aus Berlin. Mit einem neuen Managementteam wollen die Münchener nun schneller wachsen.

Zwei Start-ups, eine Geschäftsidee: Seit Jahren liefern sich WebID aus Berlin und IDnow einen Konkurrenzkampf. Beide Unternehmen bieten als Alternative zum Postident-Verfahren Videochat-Lösungen an. Diese setzen beispielsweise Banken ein, um die gesetzlich vorgeschriebene Identitätsprüfung neuer Kunden zu beschleunigen. Beide Start-ups sind stark gewachsen – und weisen für das vergangene Jahr jeweils einen zweistelligen Millionenumsatz aus. Auch darüber hinaus laufen viele Entwicklungen parallel. So bieten sowohl WedID als auch IDnow inzwischen eine automatisierte Identitätsprüfung an.

In dem Konkurrenzkampf, der auch schon zu Auseinandersetzungen vor Gericht geführt hatte, will IDnow nun mit einem neuen Managementteam in die Offensive gehen. Wie die Münchener heute bekanntgaben, kehren zudem alle Gründer operativ ins Unterhemen zurück. „Wir wollen auf dem Markt angreifen und die nächste Wachstumsphase einläuten“, sagte Mitgründer Felix Haas im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

Haas, der auch Mitveranstalter des Gründerfestival Bits & Pretzels ist, hatte sich wie auch Mitgründer Dennis von Ferenczy zuletzt aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen – mit dem Ziel, ein neues Unternehmen aufzubauen. Die Pläne liegen nun auf Eis. „IDnow hat ein enormes Potenzial. Daher haben wir uns entschieden, uns voll auf IDnow konzentrieren zu können“, sagt Haas. Neben Haas und von Ferenczy soll auch Sebastian Bärhold wieder operativ tätig werden. Der vierte Mitgründer Armin Bauer war auch schon bisher als CTO in das Tagesgeschäft des Start-ups eingebunden.

Andreas Bodczek löst Rupert Spiegelberg ab

Steuern soll das Wachstum mit Andreas Bodczek ein neuer CEO, der Rupert Spiegelberg ablöst. Bodczek war zwischen 2001 und 2007 Chef von Telefónica Deutschland und hat später das Adtech-Unternehmen Fyber gegründet. Ein Unbekannter ist der Manager bei IDnow nicht: Bodczek hatte als Business Angel bereits früh in das Start-up investiert. Die Trennung von Spiegelberg sei einvernehmlich gewesen, betont Haas: „Rupert hat uns extrem vorangebracht und wird uns bis Ende des Jahres als Berater unterstützten.“

Als einen Schwerpunkt hat Bodczek die Internationalisierung von IDnow ausgemacht. Bereits im Januar hatte das Start-up eine Niederlassung in Paris eröffnet, gerade wird ein Büro in Großbritannien aufgebaut. Ein weiteres Wachstumsfeld: „Nach Banken und Versicherungen wollen wir verstärkt Unternehmen anderer Branchen ins Visier nehmen“, sagt Bodczek. Großes Potenzial sehe er unter anderem beim Abschluss von Mobilfunkverträgen und bei der Führerscheinprüfung für Carsharing-Anbieter.

Neu besetzt hat IDnow auch die Position des Finanzchefs: CFO ist nun Joseph Lichtenberger, der in dieser Position auch schon bei Großunternehmen wie Roland Berger, Kabel Deutschland und Scout24 tätig war. Bei IDnow dürfte es nun zu seinen Aufgaben gehören, eine neue Finanzierungsrunde auf die Beine zu stellen. Zwar macht das Start-up nur einen leichten Verlust, will aber für das schnelle Wachstum neue Investoren an Bord holen. Zuletzt hatte IDnow vor einem Jahr einen Millionenbetrag von der Firmengruppe Giesecke+Devrient (G+D) bekommen.

Entwicklerteam soll deutlich wachsen

Laut Haas beschäftigt IDnow derzeit 250 Mitarbeiter, davon arbeiten knapp 150 abseits des Callcenters für das Videoident-Verfahren. Deutlich aufstocken will er das derzeit 40-köpfige Entwicklerteam: „Der Tech-Bereich wird bis Mitte des kommenden Jahres auf 100 Leute vergrößert“, sagt Haas. Ausbauen wolle das Unternehmen vor allem den Bereich der automatischen Identitätsprüfung, bei dem Algorithmen Ausweisdokumente auslesen und das Foto mit dem Livebild aus dem Videochat abgleichen.

Der Einsatz der Technologie ist entscheidend für das Start-up, um das Geschäft schnell zu skalieren. Auch Konkurrent WedID setzt auf ein Verfahren, das auf Künstlicher Intelligenz (KI) basiert. Noch sind die Einsatzmöglichkeiten aber zumindest in Deutschland begrenzt. So ist bei der Kontoeröffnung eine manuelle Prüfung vorgeschrieben. Alternativ können Kunden auch digitalen Personalausweis zur Legitimation nutzen. Auf dieses Verfahren setzt etwa das von der Commerzbank unterstützte Start-up Authada.