Das Start-up bietet Alternativen zum klassischen Postident-Verfahren an – und sieht sich einem wachsenden Wettbewerb gegenüber.

Ob fürs Girokonto, den Carsharing-Dienst oder den Handyvertrag: Wer sich online als Neukunde registriert, muss sich in einigen Fällen im Anschluss noch ausweisen. Der Gang zur Post, die den Markt mit ihrem Post-Ident-Verfahren lange dominiert hat, ist dabei nur noch selten nötig. Stattdessen genügt es heute oft, sein Dokument in einem Videochat zu präsentieren.

Zu den größten Anbietern dieser Online-Identifizierung gehört IDnow. Gegründet im März 2014, hat das Münchener Start-up nach eigenen Angaben über 250 Unternehmenskunden für sich gewonnen – darunter etwa die Commerzbank, den Autovermieter Sixt und die Smartphonebank N26. Nun ist der US-Finanzinvestor für 36 Millionen Euro bei dem Fintech eingestiegen. Aus Handelsregister-Auswertungen ist ersichtlich, dass Corsair nun 30 Prozent der Unternehmensanteile hält, wie das Handelsblatt berichtet.

Das Investment erfolgt ein knappes halbes Jahr nach einer Umstellung der Führungsspitze bei IDnow: So haben die vier Gründer mit Andreas Bodczek einen neuen CEO und mit Joseph Lichtenberger einen Finanzchef angeheuert. Außerdem haben Mitgründer Felix Hass und Dennis von Ferenczy angekündigt, sich im Unternehmen wieder stärker operativ einzubringen.

Konkurrenz durch den E-Perso

Das Wachstumskapital kann das Start-up bei seinen Expansionsplänen gut gebrauchen. Derzeit werden Büros in Frankreich und Großbritannien eröffnet, zudem soll das Entwicklerteam deutlich aufgestockt werden. Das Ziel: IDnow will die automatisierte Idenfikationsprüfung, bei der Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt, verbessern. Kunden müssen dabei nur noch ihr Dokument fotografieren und ein kurzes Selfie-Video machen.

Im Wettbewerb um Kunden liefert sich IDnow seit Jahren ein enges Rennen mit WebID – bei dem Berliner Start-up laufen viele Entwicklungen parallel. Technologisch hat auch die Deutsche Post inzwischen teilweise aufgeschlossen. Konkurrenz kommt zudem von Dienstleistern wie Authada, die den elektronischen Personalausweis zur Identifizierung nutzen. Dank NFC-Technik genügt dafür eine Smartphone-App beim Kunden. Seit einigen Wochen gilt auch das für iPhone-Nutzer – zuvor hatte Apple die Nahfunkschnittstelle lange blockiert.