Die Münchener entwickeln eine Lösung, mit der Unternehmen Identitäten von Kunden weiterreichen können – und greifen damit Login-Dienste an.

Name, Adresse, Bankverbindung – und bitte ein einzigartiges Passwort: Wer öfter neue Onlinedienste nutzt, muss immer wieder Accounts anlegen. Was aus Nutzersicht zeitraubend und lästig ist, ist auch für Unternehmen ein Problem: Ihnen entgehen Umsätze, weil viele potenzielle Kunden keine Lust haben, schon wieder ihre Daten neu einzugeben. Und das Einloggen per Facebook- oder Google-Account, wie es häufig angeboten wird, ist für Viele wegen Datenschutzbedenken keine Alternative.

Das Problem lösen möchte IDEE. Das Münchener Start-up hat ein Verfahren entwickelt, mit denen Unternehmen digitale Identitäten austauschen können. In der Praxis soll das so aussehen: Kauft der Kunde beispielsweise in einer neuen Shopping-App ein, werden Adresse und Zahlungsdaten auf Wunsch des Nutzers automatisch aus einer anderen App übernommen. Dieser bestätigt den Vorgang lediglich über die Gesichtserkennung des Smartphones oder den Fingerabdrucksensor.

Verschlüsselte Verwahrung in der Blockchain

Die Besonderheit: „Wir erfahren selbst nichts über die Nutzer und haben keine Einsicht in die Daten“, sagt IDEE-Chef Al Lakhani. Der Amerikaner, der zuvor bei einem Cybersecurity-Unternehmen gearbeitet hatte, gründete das Start-up 2015 – kurz darauf gab es eine heftige Debatte darüber, ob das FBI den iPhone-Konzern Apple zur Herausgabe von Nutzerdaten zwingen kann. Dank einer Verschlüsselung und dem Einsatz von Blockchain-Technologien will IDEE nie in diese Verlegenheit kommen.

Damit die automatische Registrierung funktioniert, müssen die Unternehmen hinter den jeweiligen Apps mit IDEE zusammenarbeiten und entsprechende Schnittstellen nutzen. Bislang erproben acht Unternehmen die Technologie. Nun will das Start-up den Vertrieb hochfahren – und lockt in einem ersten Schritt Konzerne mit mehreren Marken. Darunter ist aktuell der Handelskonzern Metro mit seinem Tochterunternehmen Hospility Digital. Kunden des Homepage-Builders für die Gastronomie sollen künftig ohne erneute Registrierung auch andere Online-Services des Konzerns nutzen können.

Konkurrenz für Verimi & Co.

Lösen ließe sich das innerhalb von Konzerngrenzen zwar auch durch eine Verschmelzung von IT-Systemen. IDEE sei aber günstiger, einfacher und sicherer, verspricht Lakhani. „In einem nächsten Schritt wollen wir Allianzen und Partnerschaften von uns überzeugen.“ Idealtypisch wären Zusammenschlüsse wie die Kundenbindungssysteme Miles & More oder Payback. Das Kalkül des Start-ups: Ist einmal eine kritische Masse an Unternehmen erreicht, wird auch der Identitäts-Austausch zwischen eigentlich konkurrierenden Firmen funktionieren.

Tatsächlich wird der Erfolg von IDEE davon abhängen, ob es gelingt, genügend Unternehmen von sich zu überzeugen. Die Konkurrenz ist groß: Mit Verimi, NetID und Mobile Connect haben finanzkräftige Konzerne eigene Login-Dienste auf den Weg gebracht. Der Erfolg ist bisher indes überschaubar. Lakhani sieht sich gegenüber den Wettbewerbern im Vorteil: „Klassischerweise gibt es ein Henne-Ei-Problem: Sind keine Nutzer da, interessieren sich Unternehmen nicht für die Lösung. Aber wenn das System von kaum jemandem unterstützt wird, kommen auch keine Nutzer.“ Das Münchener Start-up müsse dagegen nur die Unternehmen für sich gewinnen – eine Anmeldung durch Endkunden ist nicht nötig.

5,4 Millionen Euro von Investoren

Vertriebsseitig will sich Lakhani zunächst auf den Finanzsektor, Mobilitätsdienste und den Onlinehandel konzentrieren. Geografisch liegt der Fokus zunächst auf Deutschland. Das Start-up ist aber auch im Ausland bereits vertreten: In London sitzt ein IT-Sicherheitsteam, in Belgrad die Entwicklungsabteilung. Insgesamt ist das Team 18 Köpfe groß, bis zum Sommer kommenden Jahren sollen sieben Mitarbeiter hinzukommen. Für die Expansion hat IDEE gerade erstmals Geld von externen Investoren bekommen. 5,4 Millionen Euro stecken die New Yorker VC-Firma Lucky Tree, ein deutsches Family Office und mehrere Business Angels in das Start-up.

Dienstleistungen rund um Online-Registrierungen sind auch für andere Start-ups ein lohnendes Geschäft. Im Fokus steht dabei bisher die Neuanmeldung auf digitalem Weg: Als Postident-Alternative haben sich etwa IDnow und WebID bereits etabliert, auch Authada mischt auf dem Markt mit. Für diese Identifizierungsdienste ist die Lösung von IDEE potenziell eine Bedrohung – denn auch Ausweis- oder Führerscheindaten könnten künftig von einem Unternehmen zum nächsten weitergereicht werden.