Neulich habe sich ein großer chinesischer Maschinenbauer für das Produkt interessiert, erzählt Michael Schmidt. Er hat den Auftrag jedoch nicht angenommen, weil er Angst hatte, dass die Firma seine Maschine nachbauen und kopieren wollte. „Wenn ich ehrlich bin“, sagt er, „macht mich das etwas nervös“. Vorsorglich hat er in den USA, Japan und China bereits Patente angemeldet. Im kommenden Jahr wollen die beiden Gründer auch eine abgespeckte Version des Gerätes für Privatkunden entwickeln, sie soll rund 3000 Euro kosten.

Finanziell gesehen scheint es bei Icaros derzeit keine Gefahr zu geben, dass sie zu hoch fliegen und abstürzen. Denn vor einem Monat habe das Start-up die Gewinnschwelle überschritten, erzählt Michael Schmidt. Jene 300.000 Euro, die sein Unternehmen bei Familien und Freunden für die Entwicklung des Produktes eingesammelt hat, seien komplett refinanziert.
Nach dem ersten Erfolg wollte Schmidt neues Geld von Wagniskapitalgebern einsammeln, „ungefähr 1,5 bis zwei Millionen Euro“. Aber die Investoren trauten dem Konzept nicht, sagt Schmidt. Erst habe er sich von einigen Venture Capital-Fonds anhören müssen, dass „Virtual Reality nur ein Trend ist, der vorbeigeht“. Dann hätten viele potenzielle Geldgeber ein Problem damit, dass die Inhaberstruktur etwas kompliziert ist.
Denn Anteile an dem Start-up hält neben den beiden Gründern auch die Designagentur Hyve, dessen CEO Michael Schmidt ist. Er nennt die Agentur einen „Inkubator für Icaros“, über die Agentur flossen 300.000 Euro Startkapital in Icaros. Außerdem seien viele Wagniskapitalgeber nicht bereit, in ein analoges Produkt zu investieren, sondern suchten lieber nach einer schnell skalierbaren Plattform, sagt Schmidt.
Er hat die Suche nach Risikokapital mittlerweile aufgegeben. Stattdessen sammelt er jetzt erneut 300.000 Euro aus dem Bekanntenkreis ein, um damit die Kosten für die Produktion zu sichern. 2017 will Icaros die Zahl der verkauften Geräte im Vergleich zu diesem Jahr verdreifachen und viele Geräte in die USA verkaufen.
Für die kommenden Monate hofft Michael Schmidt auf große Bestellungen von Unternehmen. Sein Kollege Johannes Scholl ist demnächst auf einer Messe in Dubai, um das Produkt zu präsentieren. Viele Menschen werden das Produkt testen. Was er sich von der Reise in die Emirate erwartet? „Neue Kunden wären mir deutlich lieber als potenzielle Investoren, die dann am Ende doch wieder abspringen.“