Genau diese Finanzierung aber ist es, die Experten sorgen bereitet. Während das Wagniskapital deutscher Start-ups meist mit ausländischem Geld finanziert wird, sind deutsche Geldgeber weitaus weniger spendabel: „Deutsche Fonds investieren nur sehr mühsam in deutsche Gründer, auch wenn die Ideen überzeugen“, sagt Thomas Bachem, Vorstand des Bundesverbands Deutscher Start-ups. Wer einen zu geringen Umsatz vorweise oder keinen Milliarden-Exit verspreche, sei schnell raus aus dem Spiel.

Auch Frank Thelen kritisiert die Branche. Der 39-jährige Investor, bekannt aus der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“, gründet selbst seit mehr als zwei Jahrzehnten und weiß um die Unterschiede internationaler Investoren. „Deutsche Geldgeber schauen immer nur auf den Umsatz. Die wollen Zahlen sehen und tunlichst schnellen Erfolg“, sagt er. Im Ausland hingegen laute die Devise, möglichst schnell den Markt zu besetzen und erst dann das Start-up auf Erfolg zu trimmen. „Es gibt keine wichtigere Währung als Engagement: Wenn Leute dein Produkt benutzen, ist das mehr wert als jeder Euro.“

Fehlt die „richtige DNA“?

Die Risikoscheu der deutschen Finanzierer offenbart, dass es Deutschland nicht an Ideen mangelt, sondern an der „richtigen DNA“, wie Thelen es nennt. Obwohl die Old Economy Deutschlands bewiesen hat, dass wir ein Volk der Macher sind, fehlt es deutschen Gründern am Unternehmergeist, an einer Kultur des Fehlermachens und am Mut, riskantes zu wagen. Stattdessen regieren Spieß und Kleingeisterei das Denken, das Großes verhindert. „Milliarden-Exits, wie wir sie in Amerika sehen, sind nur mit Risiko möglich“, sagt Thelen. „Wenn sich in unserer Kultur nichts ändert, sehe ich schwarz.“

Dabei könnten die Zeiten keine besseren sein, um ein Unternehmen zu gründen: Die Krise der New Economy liegt mehr als ein Jahrzehnt zurück, die Förderlandschaft der Bundesrepublik floriert wie nie und die Infrastruktur in Hubs wie Berlin prägen die Szene. „In vielen Branchen steckt noch sehr viel Potenzial für Gründungen“, sagt HTGF-Chef Brandkamp. Start-ups, die Disruptionen – sprich Marktveränderungen – entwickelten, würden für das Wachstum des Industriestandorts Deutschland dringend gebraucht. „Vor allem in der Chemie, im klassischen Maschinenbau, der Sensorik und Robotik und der Fintech-Branche sehen wir hervorragende Chancen für Gründungen“, sagt Brandkamp.