Das Deeptech-Start-up entwickelt Programme, die eine neue Prozessor-Generation nutzen. An der komplexen Technologie wird weltweit geforscht. Die Karlsruher erhalten jetzt wichtiges Kapital für die nächsten Schritte.

Vier Jahre forschten die vier Wissenschaftler am Karlsruher Insitut für Techologie (KIT), dann wagten sie die den Sprung in die Selbstständigkeit: 2017 gründeten Iris Schwenk, Sebastian Zanker, Jan Reiner und Michael Marthaler an einer Software, die Chemikern und Materialwissenschaftlern komplexe Simulationen ermöglichen soll. Ihr Start-up HQS Quantum Simulations ist dabei für den Einsatz auf Quantencomputern ausgerichtet – einer neuen Generation von Prozessoren, die ein Vielfaches mehr an Berechnungen ermöglichen als heutige Computer.

Das Interesse aus der Industrie ist daher groß. Doch die Gründer, allesamt aus der Wissenschaft, mussten sich an das Start-up-Leben erst gewöhnen: „Ein Aspekt, der aus akademischer Sicht immer recht undurchsichtig ist, ist der Vertrieb“, sagt Mitgründer Marthaler gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. „Die Frage, wie man Kunden anspricht und gewinnt, wirkte anfangs sehr abschreckend.“ Über ein Accelerator-Programm des KIT knüpfte man erste Kontakte in die Wirtschaft. Mit BASF, Bosch und Merck laufen bereits erste Projekte.

2,3 Millionen Euro für die nächsten Schritte

Jetzt wollen die Softwarespezialisten das nächste Level erreichen. HQS erhält in einer Finanzierungsrunde 2,3 Millionen Euro. Das Geld stammt vom High-Tech Gründerfonds (HTGF), dem Münchener Risikokapitalgeber UVC Partners sowie der europäischen Venture-Capital-Gesellschaft btov. Man freue sich über Investoren, die „die Geduld haben, die für ein komplexes Feld wie das Quantencomputing notwendig ist“, sagt Marthaler.

Für den ersten Anschub zuvor war HQS von den Privatinvestoren Friedrich Hoepfner und Manfred Ziegler unterstützt worden. Das Handelsblatt hatte zuerst über die aktuelle Finanzierungsrunde berichtet.

Mit ihrer Entwicklung mischen die Karlsruher mit in einem globalen Wettrennen. Die Investitonen in da Quantencomputing sind global hoch. US-Tech-Firmen wie Google stecken hohe Summen in die Forschung und Entwicklung. Auch wenn in Europa arbeiten Start-ups wie IQM oder Kiutra zu diesem Thema arbeiten: Immer wieder zeigen Studien jedoch auf, dass dieser Kontinent ins Hintertreffen bei den sogenannten Deeptech-Themen gerät.

Gute Chancen für Deeptech-Start-ups in Deutschland

Gründer Marthaler sieht das anders: „Für Deeptech-Start-ups, die B2B-Produkte anbieten wollen, ist die Situation in Deutschland sehr gut“. Eine profitable und innovative Großindustrie hierzulande ermögliche es, auch technologisch anspruchsvolle Produkte zu vertreiben. Die Zusammenarbeit mit BASF und Bosch habe HQS „ein viel klareres Verständnis gegeben, was die Ansprüche an unsere künftigen Softwareprodukte sein werden“, sagt Marthaler.

Auch Investor btov sieht genügend Know-how und Kapital für komplexe Themen in Europa – zumindest in den frühen Entwicklungsphasen eines Start-ups. Anders sehe es jedoch aus, wenn es an Finanzierungsrunde von 25 Millionen Euro und mehr ginge, räumt btov-Partner Christian Reitberger gegenüber WirtschaftsWoche Gründer ein: „Unsere Antwort auf dieses Problem ist, dass wir US-Fonds, aber auch ausgewählte chinesische Fonds zu einer Zusammenarbeit bei diesen Themen einladen.“

Beim Blick auf die neue Portfolio-Firma HQS ist Reitberger optimistisch: „Als Software-Unternehmen mit guten und engen Kundenbeziehungen sollte es HQS gelingen, auch mit denMitteln, die es im europäichen Risikokapitalumfeld gibt, duchaus an der Weltspitze mithalten zu können“, sagt Reitberger.