Beim Check-in verlieren Vielreisende häufig jede Menge Zeit. Das Start-up digitalisiert nicht nur diesen Prozess. Die Hotelbranche wird neuieriger – der Druck ist hoch.

Zuerst der Meldeschein. Dann müssen Namen und Adresse nochmal in das Buchungssystem eingegeben werden. Die Schlüsselkarte wird in einem separaten System programmiert. Und schließlich muss noch die Kreditkarte belastet werden. Mehrere Minuten vergehen, bis Hotelgäste nach der Anreise endlich ins Zimmer können. Ein Wust an alter IT sorgt häufig für diesen zeitraubende Aufwand. „Rezeptionisten müssen beim Check-in zahlreiche verschiedene Systeme pflegen“, sagt Juan A. Sanmiguel. Der Gründer hat das Start-up Hotelbird mit ins Leben gerufen – und das will zahlreiche der Prozesse rund um Check-in und Aufenthalt digitalisieren.

Damit könnte das Münchener Unternehmen zur passenden Zeit auf die Bildfläche treten. Denn die Hotelbranche steht unter Druck. Während die Kosten für Personal und Pacht häufig steigen, akzeptieren Gäste nur widerwillig Preiserhöhungen. Und in der App-Economy wundern sich Reisende, dass sie an der Rezeption plötzlich zum Kugelschreiber greifen müssen.

Check-in am Mobiltelefon

Einige Budget-Hotelketten setzen bereits auf den Check-in mit Terminal statt Personal. Und auch gehobene Häuser wollen ihre Mitarbeiter lieber dazu einsetzen, ihren Gästen individuell weiterzuhelfen, anstatt mühsam Daten von einem Personalausweis abzutippen. „Der Markt wird es fordern, dass die Hotels ihre Betriebe effizienter führen“, sagt Sanmiguel.

Alleine ist Hotelbird mit seinem Angebot dabei nicht. Einige internationale Hotelketten haben bereits eigene digitale Lösungen entwickelt. Das Buchungsportal HRS übernahm kürzlich den Check-in-Digitalisierer Conichi, an dem die Kölner bereits seit 2015 beteiligt waren. Auch das Thüringer Start-up Betterspace setzt auf einen ähnlichen Lösungsansatz.

Plattform für die bestehenden Systeme

Dennoch sieht Sanmiguel viel Potenzial für das Angebot seines Start-ups. Die Software von Hotelbird ersetzt dabei nicht die bestehenden Systeme von Hotels. Sondern setzt sich mit zahlreichen Schnittstellen eine Ebene darüber. „Wir vernetzen alle dieser Anbieter miteinander“, sagt Sanmiguel, „über unsere Plattform können wir die Angebote bündeln.“ Hotelbird verdient über eine monatliche Gebühr pro digitalisiertem Zimmer oder über Paketpreise für größere Ketten laufend mit.

Im komplett digitalen Fall antworten Reisende auf eine Buchungsmail, geben ihre Daten ein – und können dann direkt mit ihrem Smartphone via Bluetooth die Zimmertür öffnen. Leonoado Hotels, Lindner Hotels oder H-Hotels gehören bereits zu den Kunden des 2015 gegründeten Start-ups. Gerade bei kleineren Ketten oder inhabergeführten Hotels ist jedoch viel Überzeugungsarbeit notwendig. „Die Hotellerie ist eine konservative und eher zurückhaltende Branche“, sagt Sanmiguel, „die Arbeit an der Rezeption funktioniert schon seit 40 Jahren so.“

Finanzierung erweitert

Um Marketing und Vertrieb zu stärken, hat Hotelbird nun eine Finanzierungsrunde aus dem vergangenen Jahr erweitert. Zu den zwei Millionen Euro kommen zusätzliche 1,5 Millionen Euro von Investoren dazu. Das erfuhr WirtschaftsWoche Gründer exklusiv vorab. Dafür checken zwei neue Investoren ein: Die Risikokapitalgeber Bitstone Capital und Aperion ziehen als Gäste in den Gesellschafterkreis ein.

Das Team von aktuell 30 Personen soll nun deutlich größer werden. Auch der Sprung ins Ausland soll gelingen – wenn auch noch unklar ist, welches Land es werden soll: „Aufgrund unserer Partnerschaften haben wir einen sehr einfachen Einstieg in andere Länder – und können ein Gefühl für die Märkte entwickeln“, sagt Sanmiguel.