Das Bamberger Start-up zieht mit frischem Kapital nach Hildesheim – die Gründer wollen von lokalen Netzwerken und der Nähe zur Uni profitieren.

Ein paar Klicks zuhause am Laptop, statt einer Vorführung mit Sektempfang auf rotem Teppich: Die Luxusuhren-Branche öffnet sich nach und nach für den digitalen Handel, was viele Gründer anzieht. Vor einigen Jahren noch auf Distanz zu Online-Shops, erkennen nun auch immer mehr Hersteller die Chancen der neuen Verkaufskanäle. Digital-Vorreiter Chrono24 aus Karlsruhe ist seit 2003 am Markt, inzwischen mischen Start-up-Konkurrenten wie Chronext aus Köln, Montredo und Valmano aus Berlin mit.

Im Kampf um Marktanteile greift der Bamberger Online-Händler Horando nun mit finanzstarker Unterstützung an. Ein Millionenbetrag fließt unter anderem von der Kapitalbeteiligungsgesellschaft Niedersachsen, einer Tochter der Förderbank Niedersachsens NBank. Außerdem beteiligen sich an der Serie-A-Finanzierungsrunde die Volksbank Braunschweig-Wolfsburg über ihren Investmentarm VBW Beteiligungskapital, Hildesheims Start-up-Zentrum Orangery sowie die SD Beteiligungsgesellschaft, hinter der Beirat Silvio Döring steht. Der Rechtsanwalt ist Gründer eines Bamberger Beratungsunternehmens.

Das Geld will Horando nutzen, um das Netzwerk mit Lieferanten und Herstellern auszubauen. Das Ziel: die Verfügbarkeit gerade von seltenen Uhren-Modellen zu sichern und schneller zu liefern als die Konkurrenz. Das Geschäft ist kapitalintensiv, da das Start-up viele teure Modelle auf Lager halten muss.

Stationär und online vertreten

2013 gegründet, verkauft Horando über einen Online-Shop neue und gebrauchte Uhren von Herstellern aus dem Luxussegment. Über eine digitale Schnittstelle docken Händler und Hersteller direkt an der Online-Plattform an, das Start-up übernimmt den Kundenkontakt. Am bisherigen Lager- und Bürostandort Bamberg betreibt die junge Firma zusätzlich zum digitalen Auftritt einen Showroom, in dem Kunden ihre Bestellungen abholen können.

Der stationäre Laden soll erhalten bleiben. Ein zweiter Standort sei im Gespräch, werde aber voraussichtlich nicht mehr im laufenden Jahr realisiert, sagt Horando-Geschäftsführer Stefan Sebök im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. „Für die Außenwirkung ist es nach wie vor von Vorteil, wenn man dem Kunden sagen kann, er kann theoretisch auch in unsere Abhol-Lounge kommen“, so Sebök. „So zeigen wir, dass wir die Uhren nicht aus dem Keller versenden – Reputation ist in unserer Branche wichtig.“

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